Bed Time Story – Suchanzeige: Gelangweilte Ehefrau sucht Abenteuer

Ich bin diesen August 8 Jahre verheiratet. Genau genommen bin ich schon 14 Jahre mit meinem Mann zusammen – wenn man unseren ersten, zweiten und dritten ziemlich in die Hose gegangenen Versuch mitzählt.

Das heißt, die spannende Phase unserer aufregenden ersten Dates ist schon etwas länger her. Aufregend wird’s grad nur, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und die Küche sieht aus, wie ein Schlachtfeld. Da bauen sich dann ganz andere Spannungen auf.

Als kleiner Disclaimer: Ich bin gerne verheiratet. Mit meinem Mann. Und ich möchte es auch bleiben. Mit meinem Mann! Schatz, solltest du das lesen – für dich zählt nur das!

Ob es jetzt daran liegt, dass wir schon solange ein Paar sind und auch schon so lange als Eltern miteinander funktionieren oder ob es die Corona-Müdigkeit ist – keine Ahnung. Aber der Reiz eines ersten Dates hätte schon was!

Gehen wir mal davon aus, wir haben längst Nummern ausgetauscht und schreiben uns täglich Nachrichten. Bei jedem Handyklingeln hoffen, dass die Nachricht von ihm ist.

Die Gespräche mit Freundinnen, die natürlich alle tatkräftig mit einbezogen werden und im Dating-Game helfen.

Das perfekte Outfit raussuchen, in dem man sich wohl und selber sexy fühlt. Sich so richtig hübsch machen, ohne dass der andere weiß, wie man nach einer abgestürzten Weiberfastnacht beim Aufwachen aussieht.

Die Frage vorher, wo man sich trifft und die Frage hinterher, ob man „bei dir oder mir“ noch einen Kaffee trinkt. Auch wenn sich das beim ersten Date vielleicht nicht direkt gehört. Ach was soll´s – wir sind keine 20 mehr!

Wenn es bei jedem der ersten Treffen darum geht, dass er die Wäsche noch nicht kennt, genug Wein da ist und der geplante Filmabend nebensächlich wird.

Der Beziehungsstatus noch nicht feststeht, aber herrlich unkompliziert ist und man nur von Luft und Liebe lebt.

Die Leichtigkeit der Phase, in der es keine gemeinsamen Verantwortungen gibt. Man ausschließlich Spaß hat, den Moment genießt und abwechselnd die Zigarette danach raucht.

Ach ja! Irgendwie interessiert es mich schon, wie das Dating so mit Mitte 30 ist. Man hat ja da ganz andere Möglichkeiten, als mit Anfang 20. – also auch rein wirtschaftlich gesehen. Wären die Treffen auf irgendeine Art und Weise kultivierter, weil man die Studentenkneipe gegen ein gediegenes Restaurant tauscht? Was ist mit den Ansprüchen, die man an sich selbst und den Dating-Partner hat? Was würde man heute gemeinsam unternehmen, wenn man mal für einen Augenblick die Finger voneinander lässt und unter Leute geht?

Was wären heute die Themen, über die man spricht? Und überhaupt – wie lernt man sich eigentlich kennen? Club und Disco schließe ich mal aus – bin ich vermutlich inzwischen zu alt {ouch}. Ü30 Partys? Internet?

Wenn ich so über die Fragen nachdenke und den bisherigen Text lese, muss ich schmunzeln. Meine Vorstellung vom Dating-Game spiegelt genau das wider, wie mein Mann und ich uns damals nach den gescheiterten Versuchen I-III bei Versuch IV getroffen haben. Genau so war es. Leicht, unverbindlich und mit jeder Menge Potential für mehr.

Leicht und unverbindlich ist es nicht mehr – sonst kämen mir nicht solche verrückten Gedanken. Aber es ist so viel mehr geworden, als ich damals dachte oder gar beabsichtigt hatte. Wir sind gemeinsam erwachsen geworden, haben zwei wunderbare Kinder, ein kleines Unternehmen und können es nicht abwarten, endlich die ersten Schritte in Richtung Eigenheim anzugehen.

Und trotzdem – Lust auf solch unbeschwerte Dates hätte ich schon. Essen gehen, vielleicht sogar tanzen. Miteinander flirten, Blickkontakt suchen, darauf warten, dass der andere endlich auf der Bildfläche auftaucht. Ein verlängertes Wochenende nach Barcelona oder eine Verabredung im Sinne von „kommst du zu mir oder treffen wir uns bei dir?“ Das wäre schon schön irgendwie.

Tja, da ich aber davon ausgehen kann, mein Mann hätte etwas dagegen, wenn ich jetzt auf Ü30 Partys gehe und mir Dating-Apps auf mein Smartphone lade, um mich mit anderen Männern zu treffen, kann ich hieraus keinen Feldversuch starten. Ich bin ehrlich – andersherum wäre meine Toleranzgrenze auch weit überschritten.

Allerdings könnte ich mir vorstellen meinen Mann zu daten. Der weiß zwar, wie ich morgens aussehe, wenn ich das ein oder andere Bier zu viel getrunken habe, der kennt inzwischen auch meine Vorliebe für bequeme Kuschelhosen und weiß sicher, dass die enge Jeans nicht zu meinen Lieblingsteilen im Schrank gehört, aber das beruht ja irgendwie auf Gegenseitigkeit. Und ich kenne ihn. Da fallen die typischen Kennenlernspielchen schon mal weg. Die Frage „gehen wir zu mir oder zu dir“ stellt sich erst gar nicht und seine Qualitäten als Liebhaber hat er in all den Jahren auch längst unter Beweis gestellt. Da erlebe ich also auch keine böse Überraschung. Im Gegenteil!

Außerdem ist da jede Menge Vertrauen. Ich will nicht sagen, dass da keiner von uns Hintergedanken hätte und nicht nur das eine wollte. Ich meine, wieso wirft man sich denn in Schale und lässt einen Knopf mehr an der Bluse offen?

Aber wenn ich meinen Mann date, weiß ich, dass er mich am Tag darauf anrufen wird. Mindestens einmal und spätestens dann, wenn er wissen will, in welchem Wäschekorb die Socken sind.

Ich würde sagen, wenn diese unsägliche Pandemie im Griff ist, die Bars und Restaurants wieder geöffnet haben und die Kinder endlich {endlich} wieder bei Oma und Opa schlafen können, starte ich die Flirt- und Dating-Offensive. Mit meinem Mann.

4 Gedanken zu “Bed Time Story – Suchanzeige: Gelangweilte Ehefrau sucht Abenteuer

  1. madeinheaven1 sagt:

    Ähm, wir meine Missi und ich sind schon ein paar Jährchen länger zusammen, als ihr. Ja, mit Kindern ist es nicht einfach, aber es gibt auch Möglichkeiten das zu bekommen, was man gerne hätte. Ein bisschen Fantasie und die umsetzen. Da braucht es keine Datingoffensive.

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    1. rosalilalie sagt:

      Das meine ich ja damit – mit meinem Mann mal wieder essen gehen oder sogar tanzen. Das man sich ganz bewusst Zeit füreinander nimmt oder einfach mal per SMS ein paar nette Worte schickt und nicht nur die Einkaufsliste. Das würde ich gern offensiv angehen – bloß keine Dates mit anderen 🙂

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      1. madeinheaven1 sagt:

        Dann als kleiner Tipp: sich bewusst eine Stunde in der Woche frei nehmen nur für den Partner. Das sollte auch in Pandemiezeiten machbar sein. Zusammen in die Badewanne, zusammen spazieren, zusammen, was auch immer… Nur ihr 2 ohne das, die Kind(er). Sich bewusst Zeit nehmen für den Partner. Ist nicht ganz einfach, aber so was braucht eine Beziehung, sonst fehlt die Verbindung.

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  2. madeinheaven1 sagt:

    Kleine Werbung für mich selbst 😇:
    Siehe meinen letzten Beitrag und du wirst verstehen was ich meine. Wo ein Wille ist, da findet sich ein Weg füreinander da zu sein.

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