Der Familienrat hat getagt – Mama braucht ein eigenes Zimmer

Gesagt, getan. Kisten gepackt, beim Schweden Regale und Kommoden bestellt und am nächsten Wochenende den Umzug vollbracht.

Ich habe jetzt keine kleine rosa Ecke im Gäste-Klassen-Spiel-Zimmer mehr, nee. Ich habe jetzt ein rosa Zimmer mit Hochbett, vielen Fenstern und viel Ablage-und Staufläche nur für mich.

Wenn ich jetzt arbeiten muss, bin ich nicht mehr der Kaffee beladene Tollpatsch, der jeden zweiten Lego-Stein mitnimmt und an jeder dritten Spielzeugkiste hängen bleibt. Entweder konnte man mich an meinem Schreitisch finden, weil man durch die Schneise der Spielsachen gegangen ist oder man ist den Kaffeeflecken auf dem Fußboden gefolgt, die ich zuverlässig bei jedem getroffenen Bauklotz gelegt habe.

Wenn ich jetzt meinen Kaffee auf dem Weg zu meinem Schreibtisch verschütte, liegt es nur noch an meiner Schusseligkeit – die Kinder sind damit raus.

Wir haben also letztes Wochenende unser Spielzimmer aufgelöst. Minimann hat jetzt all seine Spielsachen in seinem Zimmer und das Krümelkind ist mit Sack und Pack (drölftausend Kuscheltieren) ins Spielzimmer gezogen. Da hat sie jetzt ein riesen Bett, ein eigenes kleines Bad und jede Menge Platz für ihren kleinen Landkreis aus Playmobil. Ernsthaft, von einer solchen Infrastruktur träumt man mancherorts noch…

Und ich bin ins Krümelzimmer gezogen. Hier nutze ich jetzt den ins Hochbett integrierten Schreibtisch und freue mich wie ein Keks über die rosa Wand mit meinem bunten Bücherregal davor.

Jetzt fehlen nur noch Bilder, ein bisschen mehr Ordnung (Umzüge dauern ja immer so ewig) und ein gescheiter Schreibtischstuhl – meinen hat das Krümelkind gleich behalten.

Mir ist die privilegierte Situation durchaus bewusst. Wir haben ein Haus, in dem jeder von uns vieren ein eigenes Zimmer haben kann. Das ist mehr als Luxus, gerade und besonders in Zeiten wie diesen.

Aber gerade in Zeiten wie diesen, sollte man Kraft und Energie aus allen erdenklichen Möglichkeiten schöpfen.

Man muss sich trotz der Enge Freiheiten schaufeln, Freiheiten eingestehen und – ganz wichtig – zugestehen! Ein Recht auf Privatsphäre haben nicht nur die Kinder in ihren Kinderzimmern, sondern auch wir Mamas und Papas. Auch wir dürfen mal die Tür vom Schlafzimmer hinter uns zu machen und durchatmen oder auch mal alleine spazieren gehen. Dafür braucht es lediglich nur gegenseitige Unterstützung und eine gesunde Portion Egoismus. Beides völlig legitim! Auch wenn der Nachwuchs vor der Tür einen Aufstand probt. Da muss er dann mal durch.

Jeder von uns ist vermutlich ein Pulverfass (Mädels, wäre das nicht mal ein cooles Gruppenkostüm zur nächsten Weiberfastnacht – die sechs Stufen bis zur Explosion?).

Mal ist die Zündschnur weniger gefährdet und unbedenklich lang und manchmal eben nicht. Dann zündet sie sofort und man geht hoch.

Das geht sowohl den Kindern, als auch uns Eltern so. Ich bin ja so eine Art Pulverfass mit Zeitsteuerung – bei mir kann man die Uhr danach stellen. Abends drehen die Kinder auf, meine Nerven liegen blank und ich bin sehr schnell gereizt. Da braucht es manchmal nur eine unbedachte Berührung der Kids und ich schicke sie instant in ihre Zimmer.

Jeder, der mich kennt, weiß, dass tägliches Rotwein trinken nicht unbedingt auf mich zu trifft. Aber momentan trägt genau das ungemein dazu bei, dass ich gelassener bin.

Elf Monate Pandemie und ich freue mich abends auf mein Glas Rotwein. Jetzt ist es soweit!

Aber, alles was hilft, ist mir hier willkommen. Es gibt weniger Regeln und dafür mehr Laissez-faire, getreu dem Motto: „Macht einfach solange ihr euch nicht verletzt und die Hütte stehen bleibt!“

Ich bin überzeugt davon, dass es jetzt wichtiger ist, Liebe, Wärme, Geduld und Toleranz zu lehren, als konsequent und penibel darauf zu achten, dass die Kinder abends pünktlich ins Bett gehen, morgens nach dem Aufstehen direkt den Schlüppi wechseln und sich strikt an die empfohlenen Zeiten für Medienkonsum halten.

Wie sonst sollte man eine 9 Jährige mehrere Stunden im Homeschooling unterstützen, wenn das kleinere Kind nicht eben in diesem Zeitfenster zwischen den Streamingdiensten hin und her switchen dürfte?

Wie sonst sollte man die Kinder auspowern, wenn sie nicht bei strömendem Regen auf dem Bett hüpfen dürften oder im Kinderzimmer mit dem Softball Fußball und Tennis spielen dürften?

Wenn es schon keine Freiheiten gibt, die noch vor einem Jahr zur Tagesordnung gehört haben, muss man jetzt neue schaffen. Unabhängig von Konventionen, harten Grenzen und Regeln. Ausnahmezustand heißt eben nicht, wir machen alles wie immer. Ausnahmezustand braucht neue Routinen, neue Regeln und neue Maßstäbe. Und wie diese aussehen, muss jede Mama, jeder Papa und jede Familie für sich selbst entscheiden. Zum einen betrifft das nur die eigene Familie (den eigenen Hausstand – haha) und zum anderen geht es auch sonst niemanden an!

Mein Wort zum Sonntag-Abend!

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