Die Liebe in Zeiten der Pandemie

Am Anfang dieser Pandemie habe ich noch gescherzt und gemeint, dass diese Zeit soziologisch interessant wird. Entweder die Babyrate steigt, oder eben die Scheidungen nehmen zu.

Kleiner Spoiler: Wir gehören zu denen, die kein Baby gemacht haben.

Als letztes Jahr die Welt noch in Ordnung war, waren mein Mann und ich zwei mal allein verreist.

Nach unserem gemeinsamen Sommerurlaub mit den Kindern haben mein Mann und ich ganz klar gesagt, wir müssen noch mal alleine weg. Ohne Kinder – nur wir zwei!

Und das haben wir auch gemacht. Wir haben die Kids in der Familie aufgeteilt, haben uns ins Auto gesetzt und sind in die Berge gefahren. Schon auf der Fahrt haben wir gemerkt, wie nötig diese Auszeit vom Elternsein ist.

Wir waren nur auf uns gestellt, waren als Paar unterwegs und hatten nur für uns Verantwortung. Wir konnten uns in Ruhe unterhalten, konnten Pläne schmieden und über all das reden, wofür Zuhause zwischen Tür und Angel keine Zeit ist. Keiner hat dazwischen gequakt oder aus dem Badezimmer geschrien. Niemand, der jetzt unbedingt und ganz dringend unsere Aufmerksamkeit haben wollte. Nur wir beide. Mein Mann und ich. Und das war schön!

Wir hatten uns fest vorgenommen, so eine Auszeit von da an jedes Jahr zu machen. Nur ein paar Tage, die nur uns gehören. Ein paar Tage, in denen man den Kids auch eine kleine Pause von strengen Regeln und vom Erziehen gönnt.

Alles Ansichtssache!

Klar, wir sind Eltern. Mit allen Konsequenzen, die wir bewusst eingegangen sind. Aber dennoch sind wir auch Mann und Frau.

Und sind wir mal ehrlich: Wo geht es unseren Kindern besser als bei Oma und Opa?

Aber all unsere Pläne, die wir für dieses Jahr gemacht haben, sind im Corona-Virus untergegangen.

So wie vermutlich die Pläne von uns allen.

Mir ist bewusst, dass ein aufgeschobener Kurztripp kein Weltuntergang ist. Mir ist auch bewusst, dass es wesentlich schlimmere Dinge gibt, die in dieser verrückten Zeit passiert sind. Ich weiß das und ich versuche mich täglich daran zu erinnern, dass ich einen Job habe, dass wir genug zu Essen haben und in einem Land leben, aus dem man nicht flüchten muss.

Und doch ist diese besondere Situation zu einer wirklichen Herausforderung für uns als Paar geworden.

Selbst, wenn es keine Pandemie gibt, ist es schon schwer, eine Partnerschaft am Leben zu halten.

Nichts wird so nebensächlich im Alltag, wie die Partnerschaft. Im Trubel und der Hektik zwischen Beruf, Verabredungen, Terminen und sogenannten Play-Dates setzen wir unsere Prioritäten oft so, dass wir all den anderen Verpflichtungen nachkommen und den Partner vernachlässigen. Wer kennt es nicht, der Tag ist endlich vorbei, die Kinder sind im Bett, die Spülmaschine läuft und man selbst will nur noch aufs Sofa oder direkt ins Bett, den Fernseher anmachen und nicht mehr reden. Nicht mehr reden und auch nicht zuhören müssen.

Ein gemeinsames Essen oder ein Kinobesuch schieben wir auf irgendwann, wenn es besser in die Planung passt.

Aber jetzt hat weder die eine Verabredungen noch der andere berufliche Termine auswärts. Die Kids haben keine außerschulischen Pflichtprogramme und Play-Dates sind auch abgesagt. Schule und Kindergarten sind teilweise komplett geschlossen und somit hängen zwei unausgelastete Kinder auf den Nerven überforderter Eltern, die beide im Homeoffice sind. Großeltern fallen aus allseits bekannten Gründen als Babysitter aus und da man tagsüber vermehrt Pausen einlegen musste, arbeitet man abends weiter und so schwindet auch die gemeinsame Prime-Time auf dem Sofa.

Es ist so wichtig, dass man darauf aufpasst. Es nicht verlernt – ein Paar sein. Aber ich denke, dieses Jahr hat es vielen Paaren schwer gemacht, genau darauf acht zu geben.

Wie schafft man den Spagat zwischen Homeoffice, Homeschooling, Kinderbetreuung und dem Mann und Frau sein?

Wir saßen gestern Abend an unserer neuen Feuerschale im Garten und haben darüber geredet, was wir im nächsten Jahr besser machen können. Besser machen müssen, damit wir uns als Paar nicht ganz aus den Augen verlieren.

Es klingt simpel, nur dass es das wahrscheinlich nicht ist. Aber wir wollen es trotzdem versuchen. Uns die Zeit füreinander ganz bewusst nehmen. Ohne Kompromisse, Ausreden oder Ablenkung. Das kann ein gemeinsamer Film sein, eine Flasche Wein in der Küche oder am Lagerfeuer, vielleicht auch ein klassischer Spieleabend am Esstisch. Eine Pizza, die man erst dann bestellt, wenn die Kinder im Bett sind oder ein Fotoalbum, das man gemeinsam gestaltet und dabei die schönen Erinnerungen abruft.

Vielleicht ist es einfach nur das gemeinsame zu Bett gehen und sich aneinander zu kuscheln. Es sind vielleicht die Kleinen Dinge, in die man jetzt vertrauen muss.

Vieles ist im vergangenen Jahr untergegangen, nicht wichtig genug gewesen oder unterdrückt worden. Man konnte sich nicht vermissen oder wirklich aus dem Weg gehen.

Ich für meinen Teil hätte jetzt lieber eine schöne Baby-Murmel, als an einem solchen Punkt zu stehen.

Aber wie heißt es so schön? In guten, wie in schlechten Tagen! Dann sind das halt gerade die schlechten Tage… Da hilft nur Ärmel hoch krempeln. Meckern, jammern und streiten eher weniger!

So und damit fange ich jetzt an! Als erstes stelle ich die äußere Ordnung wieder her und räume mein Büro auf. Hier sieht´s auesss!

Und dann gehe ich auf mein super schickes Hightech-Rudergerät im Keller. Schluss mit den trüben Gedanken!

Habt einen guten Start ins neue Jahr – es kann nur besser werden!

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