Bed Time Story – die Zweite

Ich habe vor einigen Tagen ein wirklich großes Paket voller BHs und den dazu passenden Slips bekommen. Macht frau ja so: Ein BH und zwei dazu passende Höschen.

Eigentlich hätte ich mal in ein Fachgeschäft gemusst, um meine Maße nehmen zu lassen. Das letzte Mal habe ich ein solches Geschäft von innen gesehen, als ich nette Wäsche für unter mein Brautkleid gekauft habe. Das ist jetzt etwas mehr als 7 Jahre und ein weiteres Kind her. Es ist vermutlich überflüssig zu erwähnen, dass sich in der Hinsicht schon das ein oder andere verändert hat.

Ich habe also drei bis vier Modelle in drei bis vier unterschiedlichen Größen bestellt.

Getreu dem Motto: Try and Error.

Und ich habe tatsächlich ein schönes Exemplar nebst passendem Slip gefunden. Inzwischen liegt das gute Stück gewaschen im Schrank und die Rechnung auf meinem Schreibtisch.

Ich habe über das Thema Wäsche im Allgemeinen und Dessous im Speziellen nachgedacht. Mich an meinen ersten Stringtanga mit Snoopy Motiven erinnert und daran, wie cool und erwachsen ich mir mit 13 Jahren vorkam. Wie stark und groß ich mich gefühlt habe…

Ich kann mich leider nicht mehr daran erinnern, ob ich die Dinger damals schon so unbequem wie heute fand. Oder ob mir dieser Umstand der Coolnes wegen erst gar nicht aufgefallen war.

Die Teile sorgen zwar dafür, dass man keine doofen Abdrücke der Nähte auf der Hose hat und der Po einfach besser in der Jeans aussieht. Aber ganz ehrlich – aus dem Alter bin ich raus.

Ständig verrutschen sie und man versucht durch Verrenkungen den Tragekomfort wieder zu erhöhen. Und hilft das nichts, muss man sich – in der Hoffnung, unbeobachtet zu sein – das Ding zu Recht rücken. Und das versuch mal in einem Sportkurs mit 20 anderen Personen vor einer Spiegelwand…

Aber da ich mich nur selten von hinten sehe, kann es mir eigentlich egal sein, ob man durch die Hose die Konturen von meinem Slip sieht, oder eben nicht. Hauptsache es sitzt alles und ich fühle mich wohl.

Zu der Einstellung stehe ich konsequent – bis ein Knackpo in einer engen Sporthose im Gym an mir vorbeiläuft, OHNE diese Abdrücke und ich mich frage, wie die das macht. Gerade beim Sport. Dann wünsche ich mir doch ein kleines bisschen, meine Hose wäre auch so schön clean.

Ich habe trotzdem radikal alles aussortiert, was nicht mehr meinem Wohl-Fühl Standard entspricht. Und beim Aussortieren habe ich ganz hinten in meinem Schrank die Kiste gefunden, in der die Wäsche für bestimmte Anlässe drin ist. Ihr wisst schon, was ich meine…

Auch hier habe ich überlegt, was ich damit machen soll. Das letzte Mal hatte ich so was vor Jahren an. Auf einer Hochzeit. Unter meinem engen Kleid sollte alles perfekt sitzen. Sexy Korsage mit Push-up Effekt, Slip aus Spitze und passender Strumpfhalter. Volle Montur so zusagen. Wir waren schließlich ohne Kinder unterwegs und hatten ein Hotel gebucht.

Dafür, dass ich einfach nur gut aussehen wollte, habe ich mich verdammt unwohl gefühlt in meiner Aufmachung.

Strümpfe sind samt Strumpfhalter noch vor der Kirche in meiner Handtasche verschwunden. Für den Rest hatte ich leider keine zufriedenstellende Lösung. Ausziehen war schließlich auch keine Option.

Jede Begrüßung und jede Umarmung waren so unangenehm. Nicht nur, dass mich die doofe Korsage mit ihren Stäben ständig gepiekst hat oder der Slip unterm Kleid ständig eine neue Position gefunden hat. Es war auch einfach die Tatsache, dass jeder, den ich mit einer Umarmung begrüßt habe, genau fühlen konnte, was ich unten drunter trug.

Ich habe mich also nicht nur unwohl gefühlt, sondern auch noch nackig.

Und was soll ich euch sagen? Die Hochzeit war eine super Party! Wir haben viel getanzt, viel Hochzeitsschnaps getrunken und waren am Ende unfassbar…müde. Die ganze Prozedur war auch noch umsonst.

Mit dieser Anekdote im Hinterkopf, habe ich meine Kiste wieder verschlossen und in den Schrank geschoben. Zum Wegwerfen konnte ich mich nicht durchringen. Es gibt sicherlich den ein oder anderen Moment, in dem die unbequemen, aber doch sehr hübschen Dessous zum Einsatz kommen werden. Dann, wenn ich mir ganz sicher bin, dass sich die Tragezeit auf wenige Minuten beschränken wird!

Früher hat mich mein Snoopy-Tanga irgendwie stark gemacht. Auch wenn ich mir sicher bin, dass meine Mutter da ganz anderer Meinung gewesen ist, als sie ihn in der Wäsche gefunden hat. Eine Freundin war damals so nett und hat ihn für mich gekauft…

Aber ich habe mich gut und unheimlich aufregend damit gefühlt. Mit Sicherheit war das damals gut für mich und hat mich auf verrückte Weise selbstbewusst gemacht.

Natürlich schämt sich mein 33-jähriges Ich dafür, dass dieser Tanga bei jeder Gelegenheit aus meiner Hüftjeans rausgeschaut hat. Kennt ihr sicherlich auch…

Heute sieht das schon anders aus. Ich glaube, ich strahle viel mehr Selbstbewusstsein aus, wenn ich mich wohl fühle und nicht ständig an meinem Hintern herum zuppele. Da feiere ich meine Schlüppis aus der Mama-Abteilung vom Schweden. Sie bedecken wunderbar meinen Hintern – der logischerweise heute anders aussieht also noch vor 20 Jahren – und sind schlichtweg bequem. Bestimmt nicht so sexy wie die Teile aus meiner Kiste hinten im Schrank, aber ich bin mir sicher, kombiniert mit einer Portion Selbstvertrauen und mein Mann schaut mir trotz Schlüpper-Abdrücken gern auf den Hintern!

Und überhaupt – fallen die Nahtabdrücke den Männern auf oder ist das wieder nur so ein Ding von uns Frauen, wenn wir uns beim Sport und beim Einkaufen auf den Hintern schauen und uns selbst und die anderen vergleichen und bewerten?

So, gute Nacht!

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