Mama-Geschichten #3 – die, in der wir alle (Draht-)Seil tanzen gelernt haben

Da isser – der Tag, an dem auch bei mir die Corona-Depression einsetzt. Und es mir wirklich schwerfällt, morgens mit einer positiven Einstellung aufzustehen. Ich bin genervt und frustriert. Ich komme nicht aus dem Quark, hab mehr schlechte, als gute Laune und möchte eigentlich nur Tee trinkend auf dem Sofa liegen und eine Serie nach der anderen schauen.

Was ich übrigens letztes Wochenende gemacht habe. Einfach so. Die Kinder haben super mitgemacht und ich habe Wäsche, Spülmaschine und jegliche Art von Haushalt ignoriert. Und siehe da, am Sonntagmittag war ich tiefenentspannt, als die Krümelmaus meinen Kaffee umgeschmissen hat und der Minimann einmal mit Gummistiefeln quer durchs Wohnzimmer ist.

Dieses Jahr ist seltsam. Seit über einem halben Jahr sind wir nun schon in der Pandemie und niemand weiß, wann wir zur Normalität zurückkehren können und wie diese Normalität dann aussehen wird. Aber was soll´s. Es sind alles nur Phasen. Damit trösten wir uns doch sonst auch so oft.

Allerdings ist dies schon eine besondere Phase. Eine, an die wir uns ein Leben lang erinnern werden. Eine, die uns prägt, verändert und zum Umdenken bewegt.

Es ist eine sehr intensive und bewusste Phase. Und dieses Mal beschränkt sie sich nicht auf ein bestimmtes Alter eines Kindes. Sie betrifft nicht nur eine Familie. Nein, wir sind alle betroffen. Ganz allgemein. Einmal um den Globus herum und wir sitzen mehr oder weniger im selben Boot.

Und ich dachte, ich teile mal hier unseren Alltag mit euch. Unser Alltag, als wir alle noch Zuhause waren und die Kinder nicht in die Schule und den Kindergarten gehen konnten.

Die täglichen Meetings hatten was von Russischem Roulette. Welches Kind sprengt dieses Mal den Termin? Ich sage nur offene Toilettentür und lautstarkes nach Hilfe rufen.

Die Grenzen waren noch nie so verschwommen. Und das sage ich; seit Jahren selbstständig, da gibt es ohnehin kaum Grenzen.

Ich bin ehrlich, es gibt wahrhaftig Schlimmeres als in der „Jogging“-Hose am Schreibtisch zu sitzen. Ich bin mir fast sicher, wenn ich mit meinen Kollegen oder Kunden telefoniert habe, war deren Beinbekleidung vermutlich keine andere.

Auch dass die Kids am Abend erst den Schlafanzug ausgezogen haben, um direkt in einen frischen zu schlüpfen, ist mit Sicherheit keine Tragödie. Zumindest nicht für die Kinder.

Die ersten Tage und Wochen konnte ich im Job drei Gänge runterfahren, hier Zuhause alles regeln und ordnen. Diese Zeit habe ich sehr genossen. Nur die Kinder und ich – es war herrlich. Überall war aufgeräumt, die Wäsche gewaschen und im Schrank sortiert und es gab selbstgekochtes Essen und jede Menge Spiel und Spaß mit den Kindern.

Aber nach dem sich soweit alles eingespielt hatte und ich wieder arbeiten musste, zog das Chaos und ein neues Haushaltsgerät bei uns ein. Ihr wisst schon – das, was von allein Milchreis kochen kann, ohne dass die Milch überkocht und alles anbrennt.

Homeschooling und Arbeit sind in den Vordergrund getreten und wir waren weit entfernt davon, unseren Kindern einen pädagogisch wertvollen Alltag zu bieten. Vom Haushalt will ich gar nicht erst reden.

Die beiden kennen Netflix, Prime und auch den neuen Disney Channel jetzt auswendig, Minimann hat seine Leidenschaft für die Playstation entdeckt und schmiert sich seine nicht getoasteten Nutella-Toasts selber.

Wenn ich nachmittags noch zu tun hatte, sind die zwei allein zur Eisdiele im Dorf spaziert und haben sich ihre tägliche Ration abgeholt. Beinahe jedes Zimmer im Haus wurde zum Spielzimmer ernannt. Man könnte auch sagen, sie haben das Haus eingenommen und erobert. Widerstand war zwecklos, weil einfach keine Zeit und Energie mehr für Machtspiele übrig war! Fun fact: Wir konnten unser Territorium noch nicht vollständig zurückerobern.

Die Legosteine, Kekskrümel und nassen Geschirrtücher neben umgekippten Bechern waren bei all dem Pensum nur noch Banalitäten. Man wurde tatsächlich sehr tolerant, hat es weggeräumt {oder für den Moment einfach liegen gelassen} und der eigene Anspruch bestand nur noch daraus, nicht auf einen der Legosteine zu treten und möglichst immer einen aufgeladenen Controller neben dem Fernseher liegen zu haben, damit die Kinder selbstständig von Prime zu Netflix umswitchen konnten.

Wenn mein Mann und ich zwischendurch aus unseren Büros kamen, hatten wir einen Tunnelblick und beteten das Mantra „KaffeeKaffeeKaffee“. Wer unfallfrei zur Kaffeemaschine in die Küche kam, hat ein Sternchen bekommen und die Spülmaschine aus und wieder eingeräumt. Haushalt erledigt.

Jetzt könnte man munkeln, dass wir unsere Kinder vernachlässigt haben. Ja, das stimmt schon irgendwie. Aber da mussten wir durch. Da mussten wir alle durch! Ein schlechtes Gewissen und hochgezogene Augenbrauen nicht ganz so stiller Beobachter waren auch nicht hilfreich. Die Arbeit hat sich deshalb nicht von allein gemacht.

Ich persönlich glaube ja, dass unsere Kinder das ziemlich cool fanden. Die haben sich nicht beschwert, ganz im Gegenteil. Die haben ihre Unabhängigkeit geliebt, haben zu immer mehr Selbstständigkeit gefunden und waren {sind} ein absolutes Dreamteam! Sie waren Tag und Nacht zusammen.

Seit wir vier Zuhause waren, haben die beiden im selben Raum geschlafen. Mal in einer Höhle in Krümels Zimmer, mal im Gästezimmer und dann wieder in der Höhle oder in Minimanns neuem Hochbett.

Die beiden hatten eine so intensive Zeit miteinander. Klar, Streit gab es auch, aber sie haben sich relativ schnell zusammengerissen. Die Alternative, allein zu spielen, war wenig verlockend. Hier gab es wirklich viel Harmonie, Zusammenhalt und Blödsinn. Ihr Motto, „nach uns die Sintflut!“

Rückblickend betrachtet, war es für die beiden wie eine teambildende Maßnahme. Es herrscht hier nicht immer große Geschwisterliebe. Aber meistens! Sie bauen Lego, basteln, streifen mit ihren Walkie Talkies durchs Feld und haben das größte Abenteuerleben. Selbst beim gemeinsamen Zocken auf der Playstation halten sie zusammen. Das Krümelkind schleppt den Minimann durch die Level und er bedankt sich jedes Mal mit einem melodischem „Dankeeee“ dafür.

Ich finde, das ist auch etwas, wofür man durchaus dankbar sein kann.

Es gab in den letzten Monaten mehr als ein High-five, weil wir mutig genug waren, zwei von diesen Rabauken gemacht zu haben und sie sich in dieser verrückten Zeit (und natürlich auch sonst) haben.

Und davon mal abgesehen, hat einer von uns beiden gegen Abend noch eine kleine Fahrradtour mit den beiden gemacht und wir haben bei schönem Wetter mittags in der Sonne gegessen und danach eine Runde Uno gespielt, haben wir schon darauf geachtet, dass sie ihre Zähne putzen, im Schlafanzug maximal nur in den Garten gehen und regelmäßig duschen.

Und mal Hand aufs Herz – ich glaube nicht, dass sich auch nur eines unserer Kinder bei uns in 20 Jahren beschweren wird, dass es zu viel Fernsehen geschaut und zu wenig aus Salzteig gebastelt und Kerzen selber gegossen hat.

Also, ihr lieben Mamas und Papas! Klopft euch mal gegenseitig auf die Schultern! Das war für alle hart! Für uns Eltern, die keinerlei Entlastung oder Unterstützung durch Großeltern oder Schule und Kindergarten hatten. Aber ich glaube, es war auch für unsere Kinder hart! Wer ist schon gerne rund um die Uhr von seinen Eltern umgeben? Ich ehrlicherweise nicht – Sorry Mama, sorry Paps!

Das war kein Wettstreit, wer die Kinder am kreativsten bei Laune gehalten hat. Es ging nur darum, durchzuhalten und all die neuen und alten Aufgaben zu bewältigen. Das Wie, spielt hier einfach mal keine Rolle. Ist nicht zu bewerten oder zu verurteilen.

Und zum Schluss finde ich, sollten wir aufgrund der wirklich intensiven Zeit an dieser Stelle mal so grundsätzlich allen danken, die uns tagtäglich dabei helfen, unsere Kinder zu fördern, zu fordern und sogar ein klein bisschen mit erziehen!

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