Die Freundschaft in Zeiten der Pandemie

Ich musste grad eine richtig coole Verabredung absagen, auf die ich mich selbst so richtig gefreut habe!

Und ich habe den ganzen Vormittag an meiner Nachricht gesessen, mit der ich die Absage los schicken wollte. 

Es gibt im Kindergarten ein paar Mamas, die ich richtig sympathisch finde und mit denen man Elternabende, Kita-Sommerfeste und Kindergeburtstage bestimmt richtig gut überstehen kann. Und ich glaube, über diese Kinder-Events hinaus hat diese Konstellation echt Potential! Nicht nur, dass die Kinder gemeinsam in die Schule gehen und man zwangsläufig noch ein paar Jahre miteinander zu tun hat – nee, ich mag die echt gerne und freue mich über jeden Kaffee (oder jedes Bier), den wir fernab von Kita und Schule miteinander trinken werden. 

So, wir Mamas hatten mit den Kindern und den Kindesvätern eine St. Martin-Laternenfest-Ersatzveranstaltung mit Laternen-Umzug, Bratwürstchen und Glühwein (natürlich Glühwein) geplant. Es war ja rechtzeitig bekannt, dass die offiziellen Termin abgesagt werden.

Ich hab also den Termin eingetragen, den Mann dazu gebracht, sich ebenfalls für den fraglichen Zeitraum frei zunehmen und angeboten, dass ich mich um die Bratwürstchen kümmere.

Und dann kam der Lockdown light (Unwort des Jahres 2020?) mit all seinen Regelungen, Appellen und Beschlüssen. Die Gastronomie wird lahm gelegt, kulturelle Veranstaltungen abgesagt und jeder wird dazu angehalten, seine Kontakte zu beschränken. 

Ich habe sofort an meine Mutter gedacht, die jetzt ihr Lokal schließen muss. An unseren Skiurlaub, der jetzt in den Sternen steht und der Krümelmaus fast täglich erklärt, warum es wichtig ist, dass wir uns an die Regeln halten müssen und sie sich eben nur noch mit einer Freundin treffen kann, nicht mehr mit zweien zur gleichen Zeit. 

Auch ihre beste Freundin darf sie zur Zeit nur noch per Videotelefonie sehen, da diese auf eine andere Schule geht…

Und jetzt komme ich daher und will eigentlich unbedingt auf die Laternenfest-Ersatzveranstaltung. Ich würde mich schrecklich gern mit den anderen treffen und sie näher kennenlernen. Wie gesagt, ich finde, die Bekanntschaft hat durchaus Potential.

Es hat erst mal ein Weilchen gedauert, bis ich mich dazu durchgerungen habe, abzusagen. Sich selber ausgrenzen, ist einfach doof. Wer will schon gern ein Spielverderber sein?

Und dann habe ich angefangen, die Nachricht mit meiner Absage zu schreiben. Und während des Schreibens hab ich mir so gedacht, wenn ich das abschicke, stehe ich wie ein Moralapostel da. Als wollte ich verurteilen, dass wir die Veranstaltung nicht ganz abgesagt haben. Also, hab ich wieder alles gelöscht. Dann hab ich von vorne angefangen und meine Blasenentzündung vorgeschoben. Aber dabei kam ich mir auch blöd vor. Ohne Corona wäre ich nämlich trotz Blasenentzündung hingegangen. War also auch Unsinn. 

Dann habe ich das gemacht, was wir Frauen immer machen – ich habe eine Umfrage bei meinen drei liebsten Freundinnen gemacht. Und wie sollte es anders sein, ich hatte danach nicht nur eine Meinungen.

Im Endeffekt habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und die Absage genauso begründet, wie es ist. Ich kann dem Krümelkind nicht beibringen, wie wichtig es ist, sich an Regeln zu halten und sie dann selber brechen.

Aber ich hoffe, mir ist es gelungen, die anderen mit meiner Aussage nicht vor den Kopf zu stoßen und mich nicht selbst aus der Gruppe auszuschließen, bevor es überhaupt eine richtige Gruppe werden konnte.

Denn, was ich mit meiner Begründung auf gar keinen Fall machen wollte, ist die Entscheidung der anderen zu bewerten oder zu verurteilen! 

Ganz im Gegenteil, ich wünsche ihnen viel Spaß und sie sollen eine Glühwein für mich mittrinken!

Dieses Pandemie ist für uns alle neu. Jeder muss da auf seine Art mit umgehen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was richtig ist. Und jeder sollte des anderen Entscheidung respektieren.

Ich persönlich kann für diesen speziellen Fall die „zwei-Haushalte-Regel“ nicht verstehen. Es treffen sich Familien draußen an der frischen Luft, deren Kinder tagtäglich gemeinsam den Kindergarten unsicher machen. Kinder, die mehrfach am Tag die Köpfe zusammenstecken, miteinander lachen und mit Sicherheit das ein oder andere Mal beim Niesen oder Husten nicht die Armbeuge vor den Mund halten.

Aber was vermittele ich meinem großen Kind, das die Regeln und Hygienemaßnahmen in der Schule thematisiert, wenn ich die Regeln breche oder sie von Fall zu Fall bewerte? 

Ich hab keine Ahnung. Ich habe das Treffen abgesagt und meine Laune ist im Keller. Meine Oma würde jetzt sagen, „Scheiß Corona!“ Und ja, Recht hat sie! Freundschaften schließen und pflegen ist zu Zeiten einer Pandemie echt nicht leicht.

Jetzt sitze ich vorm Handy und warte auf die Reaktion der anderen…ich bin genervt und frustriert. Ende! 

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