Mama-Geschichten #2 – die, in der ich meine Elternzeit nachhole

Wenn ich die Sorgen ausblende, die mich abends nicht einschlafen lassen, wenn ich die Gedanken bei Seite schiebe, ob meine Freundin allein in den Kreißsaal muss oder ob meine Mutter den Familienbetrieb aufrecht erhalten kann, dann kann ich für mich sagen, dass diese Zeit hier Zuhause bei meinen Kindern ein Geschenk ist.

Offiziell hatte ich zwar nach den Geburten von Krümelmaus und Minimann Elternzeit, aber inoffiziell eben nicht. Ich habe hier gearbeitet und dort geholfen und hatte statt Wochenbett immer Wochenmarkt, wie meine Hebamme damals zu mir sagte. Für die damalige Zeit war es okay für mich. Es war halt einfach so. Die Arbeit war da und musste gemacht werden – so einfach.

Aber, wenn mich heute jemand fragt, ob ich etwas bereue und anders machen würde, dann ist es das. Ich würde die Zeit viel intensiver wahrnehmen wollen. Ich würde mir die Ruhe gönnen und nicht selbst von mir erwarten, dass ich fit und einsatzfähig sein muss. Ich würde wissen, dass ich nirgendwo sonst gebraucht werde, außer von meinen Kindern Zuhause.

Ich würde mir die Zeit für mich nehmen, mich erholen und die kostbaren, schnell vergänglichen Momente tief in mir aufnehmen.

Genau das ist es auch, was ich jedem raten würde: Bleib Zuhause, genieße wortwörtlich das Wochenbett und sei nur für dich – in deiner Familienblase.

Und genau das passiert hier gerade! Ich bin hier in meiner kleinen Welt. Mit meinen Kindern. Und meine Kinder sind bei mir. Wir müssen nirgends hin, wir müssen uns nicht beeilen und überhaupt – wir müssen gerade einfach mal nichts tun.

Gut, dieses neuartige „Homeschooling“ betrifft uns natürlich auch. Aber selbst das ist entspannt und hat genau die Zeit, die es braucht. Ich habe die Zeit, die mein Kind gerade braucht.

Klar. Abends bin ich immer noch fertig. Einfach, weil der Tag eine andere Struktur hat, als ich es die letzten Jahre gewohnt war.

Aber sonst bin ich abends fertig vom normalen Tagesablauf und fühle mich oft zu müde, um noch eine Geschichte zu lesen, ein Spiel zu spielen oder eine eigestürzte Höhle neu aufzubauen.

Jetzt bin ich abends zwar genauso müde. Aber ich weiß, dass ich entspannt die Höhle repariert habe, dass die Legosteine wieder farblich sortiert sind und ich mit den Kindern Fahrradfahren gewesen bin. Alles ohne den innerlichen Druck, dass man stattdessen eine andere Verpflichtung hätte.

Auch wenn diese Zeit eine sehr verrückte ist, ich beim Einkaufen einen Kloß im Hals habe und mir diese Stille in den Läden doch irgendwie Angst macht, so bin ich doch auf eine paradoxe Art dankbar.

Dankbar, dass ich die Zeit mit meinen Kindern haben darf. Dankbar, dass ich mal wieder selber für meine Familie kochen kann und dankbar, dass wir alle gesund sind. Ich bin dankbar dafür, dass ich meinen Kindern dabei zusehen kann, wie sie sehr sie es genießen, dass Mama und Papa Zuhause sind.

Ich bin selbst für unseren Garten dankbar. Und jeder der mich und unseren Garten kennt, weiß, dass ich sonst nur am Meckern bin, was diese ungerade Fläche mit viel Unkraut und wenig Rasen angeht.

Aber ja, es ist wahrscheinlich Demut, die uns das Ganze lehren wird.

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