Wer oder was bin ich und wie viele?

Ich bin Mama. Eine Gute – hoffentlich. 

Ich bin Ehefrau. Verständnisvoll – definitiv.

Ich bin Studentin.  Im Langzeitmodus – leider.

Ich bin Arbeitnehmerin. Jeden Tag – zum Glück.

Ich bin Hausfrau. Mit persönlichem Endgegner – der Wäsche.

Ich bin Tochter. Stets zuverlässig – keine Frage.

Ich bin Enkelin. Voller Liebe, Dankbarkeit – und einem Taxischein.

Ich bin Freundin. Oft verspätet – mit wenig Zeit zum Telefonieren.

Das wer oder was ist damit geklärt. Das wie viele auch. Acht Mal Ich. 

Jede dieser Rollen erfülle ich unglaublich gern. Allerdings scheinen sie auch mich unglaublich gern zu erfüllen. 

Ich bin die Mama, die in den Kindergarten hetzt und das Kind bringt oder holt. Ich hoffe jeder Art von Smalltalk aus dem Weg gehen zu können – weil die Arbeitnehmerin in mir morgens pünktlich im Büro erwartet wird und die Mama in mir mittags das andere Kind zum Reiten, zur Freundin oder zum Tennis bringen muss. Den gestressten oder vielleicht sogar unsympathischen Eindruck, den ich bei meinen Sprints durch den Flur im Kindergarten mache, versuche ich dann bei Elternabenden und Sommerfesten wieder wett zu machen, in dem ich mich brav in die Liste eintrage. Die Liste mit: „Wer backt alles einen Kuchen?“. Ihr versteht die Ironie…

Manchmal ergänzen sich die Rollen wunderbar. Manchmal aber setzen sie mich ganz schön unter Druck. Genau, mich setzen sie unter Druck. Nicht die Mama, Ehefrau oder Tochter. Nur mich. 

Und darauf will ich eigentlich hinaus: Ich vergesse mich selbst manchmal. Was will ich denn überhaupt? Oder was will ich gerade so gar nicht? Ich finde, die Frage sollten wir uns alle viel öfters stellen! Will ich gerade das, was mein Tochter-Dasein macht oder wäre ich nicht lieber Enkelin oder Freundin? Oder vielleicht mal nur Mama – ohne beruflichen Stress im Nacken und Termindruck – mit viel Zeit zum Kuscheln und vor allem Geduld! Die kommt mir als Mama nämlich am meisten abhanden. So oft, dass mein Geduldsfaden reißt, obwohl es nur eine klitzekleine Kleinigkeit ist. In so Momenten mag ich weder in der Haut meiner Kinder stecken, noch in der meines Mannes. Und am liebsten auch gleich gar nicht in meiner eigenen.

Ich finde es ja durchaus wichtig, dass man sich eine gesunde Portion Egoismus erhalten sollte. Möglicherweise auch antrainieren muss.

Faktisch sind wir es zwar – aber man kann doch nicht wirklich 24/7 Mama sein. Oder Ehefrau und Tochter. 

Meine Kinder sind absolute Wunschkinder. So grundsätzlich gesehen. Aber den Wunsch, mal allein auf dem Sofa zu sitzen {oder der Toilette} kann ich eben auch nicht abstreiten. Und ich will mir angewöhnen, dass auch zu äußern. Wenn die Krümelmaus und der Minimann in ihren Zimmern spielen und Zeit für sich haben wollen, verkünden sie es ja auch. Lautstark. Und dabei ist es ihnen so ziemlich egal, ob ich unten stehe, bereits zum fünften Mal gerufen habe, sie sollen sich Jacke und Schuhe anziehen und mir unfassbar warm ist, weil ich sowohl das eine, als auch das andere schon längst angezogen habe. 

Das Zauberwort für gesunden Egoismus ist „Nein“. Doch ich fürchte, manchmal vergisst eines meiner vielen Ichs diese magischen vier Buchstaben. Oder sie haben so ein Gewicht in ihrer Tragweite, dass ich den Mut nicht aufbringen kann oder mag. 

Ich habe mir also vorgenommen mich zu emanzipieren. In gewissen Situationen nicht das zu machen, was jemand von mir als Mutter, Enkelin oder Tochter erwartet, sondern auf die innere Stimme zu hören, die mich regelrecht anbrüllt und „nein“ schreit!

Vermutlich wird das kein leichtes Unterfangen, aber ich fürchte, wenn man immer genau das macht, was von einem erwartet wird, häufen sich die Gelegenheiten, die man verpasst. Gelegenheiten, die nicht wiederkommen. Gelegenheiten, denen man hinterher trauert. Gelegenheiten, die man vermissen könnte.

Also! Ich gehe dann mal vorm Spiegel üben: „Nein!“ 

Ohne die Hintertürchen „aber“ und „weil“. 

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