Mama-Geschichten #1 – die, in der ich meine Familie durch den Kakao ziehe

Aus gegebenem Anlass – ein kleiner Schwenker zu unserem letzten Sommerurlaub. Es war unser letzter Tag und ich hatte so richtig schön motzige Laune. Was war ich genervt. Die Kinder und ich lagen am Pool, während der Mann seine Erkältung, beziehungsweise seine Müdigkeit bekämpfte. Mit Schlaf. Versteht sich.

Und ich war ganz die nette, verständnisvolle Ehefrau. Die darauf Rücksicht nahm, die Kids im Pool beschäftige und hoffte, die Erkältung würde besser und der Mann käme gesund und erholt aus diesem Urlaub zurück. Doch trotz Verständnis, hatte ich so {sooo} eine Krawatte.

Ich glaube, ich schreibe hier nichts Neues, wenn ich sage, dass ich gerne Mama bin! Bin ich wirklich! Aber je älter die Kids werden und je länger wir verheiratet sind, umso mehr gewinne ich den Eindruck, dass ich meine Familie ganz schön verwöhne. Ich schaue mir meine Chaoten manchmal an und denke mir, was seid ihr doch für ein verzogener Haufen.

Jeder macht auf seine Art und Weise das, was er will. Und selten das, was er soll – oder ich will.

Immer schön in der Gewissheit, die Mama kümmert sich um den Rest. Mama ist Superwoman. Die kann alles. Die macht alles. Und kaum zu glauben, sie hat für alles Verständnis. Immer.

Zeit für sich als Mama im Urlaub zu haben, kann doch nicht allen Ernstes daraus bestehen, dass man die Ferienwohnung aufräumt, mit Gallseife die Sonnencreme aus den Klamotten wäscht {oder es zumindest versucht} oder schon einmal den Koffer für die Heimreise packt.

Mamas wollen doch auch mal in der Sonne liegen, ein Buch lesen oder noch viel verrückter, einfach mal schlafen. Wieso stecken wir Mamas im Familienkonstrukt eigentlich so oft zurück? Wieso müssen wir explizit um Ruhe bitten, während der Vater sich die selbige einfach nimmt? Ist das wieder so ein Geschlechter-Dingensda? Ich schwanke hier ja immer zwischen „boah, wie dreist!“ oder „clever, so machst du das beim nächsten Mal auch!“

Wir Frauen merken, wenn der Partner Zeit für sich braucht und ziehen uns {mit den Kindern logischerweise} zurück. Das ist eines unserer zahlreichen Features. Aber es kann doch nicht im Ernst eine Fehlfunktion von uns sein, wenn wir es im umgekehrten Fall auch erwarten. Oder bin ich hier falsch gewickelt?

Mein Mann sagt immer, ich soll sagen, wenn ich etwas möchte und dann ist alles gut. Dann gibt’s keine Missverständnisse und keine enttäuschten Erwartungen. Scherzkeks.

Mache ich ja. Nur verpasse ich leider immer den richtigen Zeitpunkt, etwas zu sagen. Oder es noch in angemessener Lautstärke und im richtigen Tonfall anzubringen.

Vor lauter Verständnis, Hoffnung und Rücksichtnahme sprudelt es ja meistens erst dann aus mir heraus, wenn ich gefühlt Stunden lang darauf gewartet habe, dass mein Mann selbst proaktiv mitdenkt.

Aber was ist daran so schlimm, mal mitzudenken? Muss ich tatsächlich alles vorbeten, damit ich die Aufmerksamkeit bekomme, die ich mir auch hin und wieder wünsche? Ist es so vermessen von mir selbst, zu hoffen, der Partner würde in gewissen Situationen die Initiative ergreifen? Oder zumindest den ausgetüftelten Plan respektieren, den ich mir gemacht habe, damit unser kleines, chaotisches Familiengespann pünktlich beim alljährlichen Sippentreffen am Tisch sitzt?

Wenn ich mir so die ein oder andere Sprachnachricht meiner Freundinnen anhöre – egal, ob Urlaub oder Alltag – fühle ich mich etwas besser. Es scheint wirklich ein familienübergreifendes Problem zu sein.

Kennt ihr den Spruch „Überall das Gleiche“. Als Kind empfand ich die Aussage meiner Mutter immer als persönliche Beleidigung. Heute weiß ich, es sind bloß tröstende Worte, die sich Mütter zurufen, um zu signalisieren, dass man doch im selben Boot sitzt.

Ich fühle mich immer gleich wohler in meiner Haut, wenn ich höre, dass es anderen Mamas auch so geht. Im Club „Mutti-mit-Kleinkind“ wartet jede wahrscheinlich auf den Tag, an dem der Nachwuchs selbstständig das Toilettenpapier benutzen kann und es in Folge dessen schlichtweg egal ist, ob der Mann krank ist, arbeitet, nicht mitdenkt oder schläft.

Ich meine, spätestens seit wir Eltern sind, wissen wir, es sind immer nur Phasen. Alles hat seine Zeit und geht vorbei. Irgendwann. Bestimmt. Aber was machen wir bis dahin?

Weitermachen – das ist meine Devise. Ich weiß schon jetzt, dass ich mich im nächsten Urlaub oder beim nächsten Familientreffen wieder über dieselben Dinge beschweren werde. Dass ich genervt sein werde, wenn ich das vierte Mal mein Buch zur Seite legen muss und ich mich ungerecht behandelt fühle.

So ist das Leben. Ein Leben mit Kindern. Ganz einfach.

Aber vielleicht schaffe ich es ja auch, einen der beiden Ratschläge zu befolgen, die mein Mann mir {im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte} gemacht hat: Entweder informiere ich ihn rechtzeitig und umfassend, dass ich einen Saunagang plane zu machen und ein Kapitel in meinem Buch lesen möchte oder aber ich tue einfach so, als wäre er gar nicht da. Dann wäre ich sowieso auf mich allein gestellt und es käme erst gar nicht dazu, mich darüber zu ärgern, dass meine Erwartungen nicht erfüllt werden, in Punkto Kinderbetreuung und Mitdenken.

Ich glaube, ich erwähnte schon mal, dass mein Mann manchmal unglaublich mutig ist…ihr könnt euch vorstellen, dass der zweite Vorschlag unseren häuslichen Segen ordentlich ins Wanken gebracht hat.

Urlaube mit Kind und Kegel macht man nicht für sich und die eigene Erholung. Das Abenteuer „Familienurlaub“ geht man hauptsächlich wegen der Kinder ein. Und das ist völlig logisch. Denn im beruflichen Alltag kommt die Eltern-Kind-Zeit oftmals zu kurz. Da gibt es Streit, Gebrüll und Gemecker, weil man im Freizeitstress nicht sofort den zweiten Schuh findet, der Kleine kurz vor Abfahrt beschließt, dass die ihm angezogene Jacke „nicht schön“ aussieht oder die Große zur Zeit eine Aufmerksamkeitsspanne von nur wenigen Sekunden hat und man sich ziemlich oft wiederholen muss – binnen weniger Augenblicke.

Familienurlaube dienen dem Familienleben in der allerhöchsten Konzentration. Und das ist auch gut so!

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