Was sich liebt, das neckt sich – aber ordentlich!

Mein Mann. Ich bin nach über zehn Jahren noch so verknallt in ihn, dass ich ihn auch glatt weiterempfehlen würde. Wenn das ja nicht so unkonventionell wäre. Oder ich zumindest weniger eifersüchtig. Im allseits beliebten Onlineshop würde er von mir glatt drölf von fünf Sternen bekommen. Mit ausdrücklicher „Kaufempfehlung“.

Wir streiten uns wirklich nur selten und zum Glück immer nur über den selben Krempel. Echt jetzt. Im Westen nichts Neues. Keine neuen Themen, keine neuen Probleme, keine neuen Macken.

Allerdings ist dieser so genannten Krempel, über den wir uns tatsächlich streiten so voller Zündstoff, dass es dann richtig rund geht.

Gestern zum Beispiel. Für mich fing der Streit schon an, ohne dass mein Mann überhaupt anwesend war. Als er ganz unbescholten ins Wohnzimmer kam und ein wirklich freundliches Gespräch mit mir anfing, war ich schon mitten dabei mich zu streiten. Logischerweise war er sich keiner Schuld bewusst. Wie auch? Wir waren ja erst vor zwei Sekunden aufeinandergetroffen und er hatte keinen blassen Dunst, was zur Hölle passiert war. Seine Wahrnehmung des Ganzen war vermutlich, dass ich als normaler Mensch weggefahren und als Rumpelstilzchen wiedergekommen bin.

Ruckzuck hatten wir die wildeste Diskussion, die damit endete, dass ich mit zwei Worten, die zusammen gesagt, schon sehr böses sind, Türe knallend den Raum verließ. Unglaublich, wie der mich auf die Palme bringt. Ohne überhaupt nur eine Ahnung davon zu haben, welches Pulverfass er gerade aufgemacht hat.

Doch viel unglaublicher finde ich es, wie ein so kleiner Mensch wie ich {keine 1,60 groß} , zu so einer großen Kratzbürste werden kann. Oh Mann. Anstatt einfach konstruktiv zu bleiben, grabe ich das Kriegsbeil aus und verpasse meinem Mann damit eine ordentliche Klatsche – BÄHM! Dass der nicht klein beigibt, ist ja dann nur natürlich.

So. Dann folgt eine SMS, um mich noch mal in etwas ruhigerer, aber nicht weniger deutlicher Form zu erklären. So kann mir auch niemand ins Wort fallen.

Wenn es gut läuft, gibt es ein klärendes Gespräch. Wenn ich möglicherweise den Bogen überspannt habe sollte, lässt mein Mann mich ganz schön lange zappeln.

Das Gespräch, wenn es denn stattfindet, ist dann auch nicht so klärend, dass das Thema gegessen wäre. Im Gegenteil. Uns beiden ist schon klar, dass es in einigen Wochen aufgewärmt wieder auf den Tisch kommt. Man könnte sagen, wir befinden uns ganz klassisch in einem Teufelskreis.

Ich habe meinem Mann vorgeschlagen, dass ich nicht immer so explodieren würde, wenn ich nicht wochenlang meinen Ärger runterschlucken würde. Wenn ich es ihm täglich wohl dosiert mitteile, ist das vielleicht etwas sinnvoller.

So richtig überzeugt war er davon nicht. Ich auch nicht. Vermutlich drehen wir dann den Spieß nur rum und meinem Mann platzt alle paar Wochen der Kragen.

Jetzt bin ich am Überlegen, wie sinnvoll es ist, sich über Dinge zu streiten, die man einfach nicht ändern kann. Und zwar nicht, weil man es nicht wirklich wollte, sondern weil die äußeren Umstände keine Komplettlösung im Programm haben.

Oder ist es schlauer, sich zu arrangieren? Ich meine, das würde eventuell Energie sparen und auf Dauer müssten keine neuen Türen angeschafft werden.

Doch wie macht man das? Sich arrangieren? Wie schließt man Frieden mit etwas, was einen traurig und wütend macht? Und in meinem Fall auch noch garstig oben drauf.

Wie auch immer. Es ist gut, dass wir uns immer wieder vertragen. Dass wir trotz allem immer wieder mit einander sprechen. Obwohl wir beide wissen, wir drehen uns im Kreis. Aber wenn wir uns genug gedreht haben, wir beide keine Ahnung mehr haben, wo der Anfang war und das Ende ist, stellen wir die Kampfhandlung ein, versichern uns, dass wir es irgendwie schon schaffen und dass es irgendwann besser wird.

In dem einen Moment finden wir uns beide so richtig doof. Erst ärgert mich mein Mann, dann ärgere ich ihn. Andersherum ginge es natürlich auch. Könnten wir zur Abwechslung auch mal ausprobieren. Und im nächsten Moment liegen wir uns erst heulend und dann lachend in den Armen.

All das ändert nichts daran, dass wir uns lieben. In jedem handfesten Streit wird zwar mindestens einmal die Endlichkeit im Allgemeinen erwähnt und eine hypothetische Trennung im Besonderen in den Raum geworfen. Hallo – ein bisschen Drama muss schon sein. Aber wenn ich ehrlich bin, sind wir viel zu bekloppt, zu bequem und vor allem zu verliebt, als das einer von uns beiden diesen ausgesprochenen Unsinn für bare Münze nehmen würde. Ich meine, wer glaubt denn das?

Ich rechne es meinem Mann wirklich hoch an, dass er mir meine Wutausbrüche, in denen ich eine andere Persönlichkeit anzunehmen scheine, so schnell verzeiht und mich trotzdem liebt. Dafür allein liebe ich ihn. Muss man ihn einfach lieben.

Schatz, wenn du das liest…du machst mich wahnsinnig!

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