Story Time – Ausflug ins (Nacht-) Leben

Es kommt wirklich nicht oft vor. Mal mangelt es an Gelegenheiten, manchmal ist auch niemand verfügbar, dem man die Kids für eine Nacht aufs Auge drücken kann und ganz oft ist man müde, kaputt und so was von zu faul. Oder man hat einfach keine Lust. Schminken, Haare machen und sich in die enge Jeans quetschen und das alles zu einer Uhrzeit, zu der man normalerweise genau das Gegenteil macht.

Allein der Gedanke daran ist in den meisten Fällen schon anstrengend.

Aber manchmal eben auch nicht. Dann packt einen die alte Power und man freut sich tierisch auf die Ausnahme, die in einem früheren Leben so oft die Regel war.

Es geht ums Weggehen. So wie früher. Nur mit dem Unterschied, dass heute die Kohle glücklicherweise für mehr ausreicht, als den obligatorischen Eintritt im Club und zwei Bier aus der Flasche. Oder man statt hoher Pumps doch eher flache Schuhe anzieht. Rücken und so. Ein bisschen älter ist man ja schließlich doch.

Die Idee kam Mittwoch morgens auf. Genau in dem Zeitfenster, in dem die akute Müdigkeit der Nacht verflogen und die latente Müdigkeit, die man als Mama einfach nicht loswird, noch nicht wiedereingesetzt hatte. Der Tag war noch völlig unverbraucht.  Sprich, ich war fit für einen Ausflug ins Nachtleben.

Wir schickten uns also Bilder hin und her und grübelten gemeinsam, was wir anziehen könnten. Der Mum-Look aus blauer Jeans, weißem Shirt und den wieder neu entdeckten Kork-Schlappen – ihr wisst alle, was gemeint ist – war zwar unglaublich praktisch, aber mehr auch nicht. Da musste doch mehr drin sein!

In der ersten Kneipe gab es nur noch Stehplätze, aber gute Musik. In der zweiten Bar war die Musik leiser, wir konnten uns setzen und es gab tollen Gin. So war zwar eine Unterhaltung möglich, aber die Stimmung war doch etwas gediegen. Also sind wir in die dritte Kneipe. Nach dem dritten Bier haben wir uns dann entschieden auf der anderen Straßenseite in einen Club zu gehen.

Schnell noch ein Bier und ab auf die Tanzfläche.

Nicht mal eine halbe Stunde später wusste ich, dass ich nach Hause möchte. Ich wollte keinen Alkohol mehr, ich wollte nicht mehr tanzen und schon gar nicht, wollte ich permanent angerempelt oder doof angeglotzt werden.

Also habe ich meinen Mädels Bescheid gegeben und meine Jacke geholt. Ich bin ins nächste Taxi gesprungen und die anderen Hühner sind zurück in die letzte Bar.

Völlig davon überzeugt, dass es genau die richtige Entscheidung war, saß ich im Taxi und hatte die absolute Gewissheit, dass ich nichts verpassen würde. Nichts könnte jetzt in dieser Bar passieren, was mir mein Zuhause, meine Familie und letzten Endes, mein heißgeliebtes Bett nicht auch geben könnte.

Ihr ahnt gar nicht, wie froh ich bin, dass ich das alles habe und eben nicht in Nächten wie dieser noch erst suchen und finden muss. Gerade das mit meinem heißgeliebten Bett dürfte schwer werden…

Die lustigen Nachrichten mit meinen Freundinnen, das Anprobieren der Klamotten und das Ausgehen selbst, haben schrecklichen Spaß gemacht. Es war so leicht, hatte nichts Schweres. Es war belanglos und so herrlich unkompliziert. Es hatte keinen übergeordneten Sinn oder musste zielführend sein. Die Brandblase an der Hand vom Lockenstab und der dicke Schädel am nächsten Morgen waren es auf jeden Fall wert und wir wiederholen das Ganze bald. Bestimmt. Sicher schon nächstes Jahr.

Die Erkenntnis, dass ich in meiner kleinen eigenen Welt Zuhause mit meinen Kindern und meinem Mann, alles habe, was ich brauche, ich nichts vermisse und schon gar nichts „da draußen“ verpasse, wenn ich samstags mit meiner Krümelmaus auf dem Sofa liege und Filme gucke, ist das wirklich Entscheidende!

Und es tat so gut, am Sonntag in bequemer Hose, gemütlichem Shirt mit der Familie ein Eis essen zu gehen. In Kork-Schlappen versteht sich.

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