Frauen unter sich – man(n) muss uns nicht verstehen

Ich bin ja wirklich gerne Frau. Nicht Mama oder Ehefrau – nein einfach Frau. Und generell bin ich der Meinung, dass wir Frauen ganz wunderbare Geschöpfe sind. Unkompliziert, loyal und in meinem speziellen Fall schreibe ich mir auch bedingungslose Solidarität auf die Fahne.

Wenn meine Freundin Liebeskummer hat, leide ich mit ihr. Macht meine Freundin eine Diät unterstütze ich sie. Wird meine Freundin schwanger, werde ich es auch. Das klingt komisch, ich weiß! Aber ist alles schon vorgekommen.

Unsere Männer schmunzeln heute noch immer über diesen doch sehr großen Zufall.

In allen Fällen spielt Schokolade eine übergeordnete Rolle und der gegenseitige Support ist eine unverzichtbare Stütze. Wahre Freundschaft ist mit nichts zu bezahlen und muss gehegt und gepflegt werden!

Freundinnen zu haben, ist was Tolles und selbst eine Freundin zu sein, ebenso!

Aber in dem Beitrag soll es nicht um Freundschaften unter Frauen gehen, sondern eher um das genaue Gegenteil.

Warum sind wir Frauen, wie wir sind, wenn wir auf andere Frauen treffen, die nicht, noch nicht oder nicht mehr unsere Freundinnen sind?

Da tun sich Abgründe auf. Plötzlich findet man sich in einem Konflikt wieder, der teuflischer nicht sein könnte. Selbst, wenn man den Konflikt nur mit sich selbst ausmachen muss, da einen der evolutionäre  Konkurrenzkampf einholt.

Da setzen alle sonst so gut funktionierenden Synapsen aus und man konstruiert Taktiken und Strategien, wie man sich der oder den anderen gegenüber verhalten soll.

Sind wir mal ehrlich. Lästern machen wir alle gern. Lästern wird immer ein Teil unserer weiblichen Kommunikation sein. Aber wir lästern ja nicht nur, wir zerreißen uns sprichwörtlich das Maul, wir vergleichen uns, wir fühlen uns übergangen, wir haben Vorurteile und lassen uns gern vom ersten Eindruck täuschen und weigern uns dann, diesen zu revidieren. Wir müssten sonst ja zugeben, dass wir uns getäuscht haben. Und grundsätzlich haben wir ja wohl lieber recht. Nicht wahr?

Wenn es drauf ankommt, schweigen wir. Dann haben wir nicht die Courage, das Problem anzusprechen und es im besten Fall auf dem direkten Weg zu lösen. Wir erörtern lieber die Probleme mit allen anderen, anstatt sie offen an diejenige zu adressieren, mit denen wir das eigentliche Problem haben.

Ganz schlimm entwickelt sich eine solche Eigendynamik in Gruppen.

Wenn wir Frauen im Pulk auftreten, ist unterschwellig immer etwas im Argen. Entweder kommt eine Neue dazu und der Rest fühlt sich bedroht und hat Angst um seine Stellung. Generell ist das Neue – in dem Fall die Neue –  ja bekanntlich immer interessanter. Und wenn die Jeans dieser Neuen dann auch noch so unverschämt gut sitzt, ist es so wieso erst mal vorbei mit der ernstgemeinten Nettigkeit.

Oder aber die Gruppe ist  gedrungener Maßen bunt zusammengewürfelt und keine weiß so recht, wie sie sich verhalten soll. Das ist auch spannend!

Dann achtet jede einzelne penibel darauf, wie sie sich gibt, ist zurückhaltend, will um jeden Preis allen gefallen und sagt erst recht nicht das, was sie eigentlich zu sagen hätte.

Hat dann diese Gruppe auch noch einen virtuellen Treffpunkt in Form einer Chatgruppe eines allseits bekannten Messenger-Service auf dem Smartphone, gleicht die Kommunikation einem Mienenfeld.

Ich möchte nicht wissen, wie viele Ehemänner und Partner ihren Frauen abends zuhören müssen, wenn diese die tagesaktuellen Nachrichtenverläufe so einer Gruppe laut vorlesen und sich dabei so richtig schön aufregen. Ich kann mit Sicherheit sagen, mein Mann hat des Öfteren die Gelegenheit sich köstlich darüber zu amüsieren. Oder verständnislos den Kopf zu schütteln. Je nach Gruppe und Thema.

Aber anstatt die Ärmel hochzukrempeln und die Karten auf einen Tisch in der realen Welt zu legen, verstecken wir uns hinter freundlich grinsenden Fassaden und hoffen, dass es nicht zum handfesten Krach kommt. Wobei der doch vielleicht sogar genau das wäre, was die Stimmung retten könnte. Einfach mal sagen, was Masse ist und gut wäre es. Dann fliegen halt mal die Fetzen. Aber danach, weiß jede was los ist und kann ehrlich reagieren.

Stattdessen schreiben wir ellenlange Nachrichten, interpretieren die eingehenden SMS und hoffen, dass unsere Botschaft, die ja gut versteckt zwischen den Zeilen steht, von allen anderen verstanden wird.

Wenn man das ganze Schauspiel mal von oben und objektiv betrachtet, kann das doch nur schief gehen!

Ich bin auf jeden Fall auch so ein Kandidat. Ich rege mich schrecklich über etwas auf, fühle mir dermaßen auf den Schlips getreten und beiße mich an Sachen fest. Dann liege ich abends im Bett und überlege mir, wie ich was sagen könnte oder hätte sagen sollen. Wohlwissend, dass ich niemals den Schneid haben würde, mich tatsächlich einem realen Gespräch zu stellen.

Schließlich will ich ja nicht als Zicke, Miesepeter oder Stinkstiefel da stehen. Nee, da habe ich viel zu viel Angst, dass andere schlecht von mir denken oder mein Gegenüber nicht reflektieren kann und quäle mich weiterhin mit diesen unausgesprochenen Dingen herum. Dann finde ich mich eher damit ab, dass für mich etwas gar nicht passt, als meine Interessen deutlich zu vertreten.

Warum haben wir Frauen immer Angst davor, was andere denken? Wieso legen wir so viel Wert drauf und verzichten deshalb auf unseren eigenen Seelenfrieden? Ist es nicht viel wichtiger, in den Spiegel schauen zu können und mit sich selbst im Reinen zu sein, als sein Image aufzupolieren oder aufrechtzuerhalten?

Der Verstand sagt jetzt ja, laut und deutlich. Aber, wenn es drauf ankommt…

Neulich erst war ich mit einer großen Gruppe von Frauen unterwegs. Allein die Tatsache ein Event wie dieses im Konsens mit so vielen anderen weiblichen Mitstreiterinnen auf die Beine zu stellen, ist schon eine Herausforderung an sich. Aber, wenn man tatsächlich selbst nicht den Mumm hat, sich zu behaupten oder wenn nötig auch einmal durchzusetzen, ist man quasi verloren. Dann hat man nicht nur schlechte Laune, weil irgendetwas nicht nach Plan läuft. Man ärgert sich obendrauf auch noch über sich selbst. Und das zu recht!

Wir werden souveräner im Job, wir überstehen schlaflose Nächte während der Stillzeit und im Sale beim Schweden lassen wir auch nichts anbrennen und setzen uns durch.

Aber sobald wir – und damit meine ich in aller erster Linie mich –  auf Frauen treffen, die nicht das Prädikat Freundin tragen, sind wir plötzlich weit entfernt von selbstsicherem Auftreten. Dann ist erst einmal äußerste Vorsicht geboten.

Und vom Motto der berühmten Solidarität unter Frauen ist nicht mehr viel übrig. Verrückte Welt!

 

 

 

 

 

 

 

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