Sorgen, Ängste und andere Alltagsbegleiter

Ich habe vor ein paar Tagen einen Film gesehen, in dem die Mutter nach einem Unfall stirbt und eine kleine Tochter hinterlässt. Ich habe Rotz und Wasser geheult und wollte mich gar nicht mehr einkriegen.

Dieser Film beschäftigt mich inzwischen seit Tagen und meine Gedanken kreisen darum. Mir ist völlig klar, dass dies jetzt nur ein Spielfilm gewesen ist. Aber realistisch gesehen, passiert so etwas täglich und niemand ist davor gefeit.

Das Leben als Mama ist aufregend, wunderschön und so unberechenbar. So viele neue Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse bereichern das Leben, wenn man Mama wird. Aber auch Ängste. Ängste, von denen ich gar keine Ahnung hatte, bevor ich schwanger wurde.

Nachdem ich den Film zu Ende gesehen hatte, bin ich noch einmal aus meinem Bett gehuscht und habe mich bei meinen Kindern ans Bett gestellt. Nur um zu sehen, dass es ihnen gut geht. Am liebsten hätte ich sie geweckt, in den Arm genommen und ihnen gesagt, wie sehr ich sie liebe. Aber zum Glück habe ich mich an die goldene Regel erinnert – wecke niemals ein schlafendes Kind!

Die Angst, dass meinem Mann oder meinen Kindern  oder mir etwas derartiges Schlimmes passieren kann, hat mich tagelang noch beschäftigt.

Die Vorstellung, dass mir jetzt etwas zustoßen könnte und meine beiden Kinder sich später einmal nicht mehr richtig an mich erinnern werden, macht mich unglaublich traurig und hilflos. Dass sie niemals mehr fühlen würden, wie sehr ich sie liebe und wie stolz ich auf sie bin, ist ein so unvorstellbarer Gedanke, dass er mir die Tränen in die Augen treibt.

Wenn mich solche Gedanken und Ängste umtreiben, vergesse ich völlig, dass die Kinder manchmal so große Quälgeister sind. Jeder Streit und jedes schimpfende Wort tut mir dann unendlich leid und wird so belanglos.

Wer würde sich dann um mein Mädchen und den Minimann kümmern? Wer schafft es die beiden so zu lieben, wie ich? Wer ist für sie da? Wer hört sich ihre Sorgen an und wer teilt mit ihnen Glück und Freude?

Fragen, über die ich nachdenke und mir deren Antworten nicht einfallen. Fragen, die so furchtbar sind, dass sie weh tun.

Auch auf Autofahrten mit meinem Mann, wenn wir beide allein ohne unsere Kinder unterwegs sind, kommt immer wieder der Gedanke, was geschieht mit den Kindern, wenn uns etwas passiert? Ist es jetzt wirklich nötig, ein Wochenende ohne die beiden zu verbringen? Gut, dass kommt jetzt auch wirklich nicht allzu oft vor, aber trotzdem…selbst auf unserer Fahrt morgens in die Agentur könnte uns etwas zustoßen.

Ich staune immer wieder, wie gut man aber in der Regel solche Gefühle und Ängste ausblenden kann. Wie schnell man sie wieder verdrängt und einfach das macht, wonach einem der Sinn steht.

Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir uns von diesen Gedanken beeinflussen lassen würden? Jeder Gang aus dem Haus oder die Kellertreppe hinunter birgt prinzipiell Gefahren. Krankheiten verschiedenster Art oder vielleicht sogar Unachtsamkeit Anderer können so verhängnisvoll sein. Wenn wir diese Ängste nicht bei Seite schieben könnten, würden wir in Watte gepackt durchs Leben ziehen und so viele schöne Dinge verpassen. Dinge, Momente und Augenblicke, die das Leben und insbesondere das Leben mit Kindern so besonders machen.

Und dennoch. Je älter ich werde, umso umsichtiger und vorsichtiger werde ich. Mein Mann scherzt des Öfteren, dass ich schon zur Propeller-Mama mutiere. Ich weiß das und es ärgert mich auch. Aber ändern kann ich es nicht.

Ich habe mir sogar einen Fahrradhelm zugelegt. Ein besonders hässliches Exemplar, aber ich bin zumindest etwas geschützt und obendrein noch ein gutes Vorbild für meine Kinder. Und tatsächlich, ich ziehe ihn immer auf – auch wenn ich nur schnell zum Brötchen holen fahre.

Über solch hinreichende Konsequenzen denkt man doch gar nicht nach, bevor man nicht in die Verantwortung für ein kleines Lebewesen tritt.  Und mit dem kleinen Wesen im Arm sind die Ängste und Sorgen da. Mal mehr und dann zum Glück auch wieder weniger.

Ja, diese Ängste und schrecklichen Gedanken sind wohl das Unschöne am Elternsein. Aber sie gehören dazu. Sie sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortungsbewusstsein! So lange wir sie nicht die Überhand gewinnen lassen und das Leben trotzdem leben und in vollen Zügen genießen können, hat alles sein richtiges Maß.

Wir können weder unsere Kinder noch uns selbst permanent beschützen. Wo würde dann der Spaß bleiben? Und Spaß ist so wichtig und gehört ebenso dazu, wie sich manchmal den Kopf wegen sinnloser und schrecklicher Gedanken zu zerbrechen.

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