Alle Jahre wieder – Weihnachten und die Männer

Ein Klassiker für meist sinnbefreite Streitereien zwischen uns Frauen und unseren Männern ist Weihnachten, genauer gesagt der Heilige Abend. Ich glaube, das ist so ein generationsübergreifendes Ding. Und ich bin auch der Meinung, dass sich nur die wenigsten Paare davon freisprechen können.

Wenn die gesamte Familie eingeladen ist, laufe ich zu Höchstformen auf. Da liegt meine Toleranzgrenze leider weit unter dem Niveau meines sonst so üblich langen Geduldsfadens.

Dessen bin ich mir vollkommen bewusst. Und das ist nicht nur an Weihnachten so, sondern bei jeglichen familiären Anlässen, die sich bei uns Zuhause abspielen.

Ich bin diejenige, die es perfekt haben will. Diejenige, die keine Kompromisse eingehen möchte. Die, mit den hohen Ansprüchen an sich selbst. Die, die keinen Kartoffelsalat und Wiener möchte, sondern mindestens vier Gänge. Dabei liebe ich Kartoffelsalat. Wienerwürstchen jetzt zwar nicht ganz so, aber ein feines Schnitzel tut es ja auch.

Die, die sagen ich sei an dem Dilemma selber Schuld , haben schlichtweg recht.

In der Küche bin ich in meinem Element, aber wenn es darum geht, sich dann pünktlich der Küchenschürze zu entledigen und etwas Festliches anzuziehen, bin ich raus. Dann, und erst dann habe ich Stress.  Ich weiß nicht, wie oft ich einen Streit vom Zaun gebrochen habe, nur weil ich nicht rechtzeitig fertig geworden bin und nicht wusste wohin mit den ganzen Stressgefühlen.

Wobei ich hier jetzt nicht alle Schuld dieser berühmtberüchtigten Szenarien unter Eheleuten am Heiligen Abend auf mich nehmen möchte. Das wäre jetzt doch zu viel des Guten!

Aber um eben dem Ärger über sich selbst Luft zu machen, kommt doch der Mann da gerade recht um die Ecke, der sich nur mal schnell ein Brot schmiert und sich dann wieder aufs Sofa legt.

Dass man aber selbst morgens nicht aus den Puschen kommt, mit den Kindern noch das Weihnachtsmärchen auf den öffentlich Rechtlichen guckt oder gefühlte Stunden am Smartphone hängt und in meinem ganz speziellen Fall auch noch mit einer Freundin Kaffee trinken geht, könnte ebenfalls dazu beitragen, dass das Stresslevel sich signifikant erhöht.

Aber um keinen Preis der Welt will ich meinen heiligen Kaffee am 24. Dezember mit meiner Freundin im Einkaufszentrum missen. Wir sitzen da, trinken Latte Macchiato und freuen uns an unserer Gelassenheit, während alle Welt noch umher hetzt, letzte Geschenke besorgt, TK-Pizzen kauft, weil die Gans nicht rechtzeitig aufgetaut ist oder auf der Suche nach Hilfe beim Einpacken der Geschenke ist.

Gelassenheit und Selbstüberschätzung in meine eigene Person führen also leider immer erst zum obligatorischen Krach, bevor es bei uns weihnachtlich-harmonisch wird.

Aber der Kaffee ist ein liebgewonnenes Ritual und für mich fängt Weihnachten damit an.

Von daher nehme ich wohl wissend in Kauf, dass ich nach meinem Latte Macchiato genau in die selbe Hektik verfalle, wie die Leute, die ich gerade noch beobachtet habe.

Ich nehme mir auch dieses Jahr vor, alles einfach vorher vorbereitet und fertig zu haben. Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass der Plan dieses Jahr funktioniert. Ich muss es einfach nur schaffen, fertig in der Küche zu sein, der Tisch sollte bereits gedeckt sein und wenn ich schon mein Heiligabend-Outfit anhätte, könnte das auch nicht schaden!

Dann bleiben nur noch die Kinder. Aber die sind eh unberechenbare Faktoren und von daher kann ich die beiden in meine Planung, wie alles perfekt ablaufen könnte, eh nicht miteinbeziehen. Ebenfalls fällt auch der Kindsvater raus. Der muss meistens noch mal ins Büro, weil er da seine Geschenke versteckt hat oder ihm auffällt, dass er zu seinen braunen Schuhen noch einen neuen Gürtel in eben diesem braun braucht. Oder aber – und das hat es tatsächlich schon gegeben – er muss noch einen Weihnachtsbaum besorgen, den er dann durchs frisch geputzte Wohnzimmer schleift und ich den Staubsauger noch einmal holen kann, beziehungsweise muss.

Sind wir mal ehrlich, egal wie selber Schuld man ist, weil einen der Perfektionismus im Nacken sitzt und man auf den traditionellen Weihnachts-Kaffee nicht verzichten möchte, der Mann nimmt an solchen Tagen auch jeden Fettnapf mit und springt bereitwillig rein.

Mit anderen Worten sie können es uns an solchen Tagen einfach nicht recht machen.

Ich glaube, mir wäre die ein oder andere unschöne Bemerkung nicht herausgerutscht, wenn ich einfach meinen Mund aufgemacht und gesagt hätte, wie wir alle stress- und streitfrei ein besinnliches Weihnachtsfest feiern können. Hätte ich zum Beispiel gesagt, dass wir noch alle verfügbaren Ersatzstühle aus dem Keller brauchen, hätte mein Mann sie sicherlich auch hochgeschleppt. So hätte ich die zehn Minuten zum Umziehen gehabt und hätte nicht lauthals schimpfend die Stühle selbst aus dem Keller gebuckelt.

Auch hier immer wieder die Kommunikation, die uns ein Bein stellt und wir zum Stolpern so gar keine Zeit haben. Ich muss mich selber immer wieder erinnern, dass mein Mann keine Gedanken lesen kann. Er kann zwar viel und wenn man ihn fragt, natürlich noch viel mehr. Aber Gedankenlesen gehört jetzt nicht zu seinen sonst so hervorragenden Softskills.

Auch wenn wir Frauen immer alle so schön emanzipiert sein wollen und gerne auch mal darauf beharren, dass der Mann doch nach so langer Zeit wissen sollte, wie der Hase läuft, glaube ich inzwischen, dass das gar nicht so emanzipiert ist. Was bringt uns diese pseudo Emanzipation, außer Falten, zu hohen Blutdruck und graue Haare?

Ich denke, es ist in Wahrheit viel emanzipierter, vorausschauend zu handeln und dem Mann das zu sagen, was er genau zu tun hat. Zuhause, das ist doch unser Ding. Da ziehen wir die Strippen. Und wenn wir wollen, dass es genauso abläuft, wie wir es wollen, müssen wir auch sagen, wie es zu machen ist. Das ist nur fair und es zeugt von hohen Führungsqualitäten.

Ich habe mich lange Zeit dagegen gesträubt. Und leider viel zu oft höre ich mich selbst noch meckern, weil irgendetwas nicht so ist, wie ich gedacht habe, dass es sein könnte.

Tatsächlich und das will ich nicht unterschlagen, es gibt Situationen, in denen Mitdenken toll wäre. In denen es in der Tat auch nicht zu viel verlangt ist, Eigeninitiative zu ergreifen und einfach mal zu machen. Aber ich frage mich manchmal, ob wir unsere Männer oftmals nicht so einschüchtern, dass sie lieber gar nicht aktiv werden, anstatt etwas völlig falsch zu machen.

Gerade wenn man wie ich beim Empfang von Gästen und der Zubereitung des Essens ein Pedant ist.

Ich erinnere mich noch, wie mein Mann mir im ersten Jahr in der Küche helfen wollte. Als wir noch nicht herausgefunden hatten, dass gemeinsames Kochen in unserem Fall nicht harmonisch und romantisch ist. Wir standen nicht, wie im Film propagiert, jeder mit einem Glas Wein in der Küche und haben flirtend Gemüse geschnitten. Nein, wir haben uns furchtbar darüber gestritten, wie man die Finger beim Schneiden richtig hält, damit man sich nicht verletzt. Ich wusste es halt einfach besser und wollte schließlich nicht, dass er sich in die Finger schneidet. Es eskalierte in dem einer von uns beiden aus der Küche flog und wir weitsichtig beschlossen haben, dass nur noch einer von uns beiden beim Kochen in der Küche anwesend ist. Ist ja ein guter Kompromiss, wenn der andere nicht kochende Part sich dann um die Kinder kümmert und dafür sorgt, dass sie am Heilig Abend gebadet, richtig angezogen und pünktlich zum Gottesdienst fertig an der Haustüre stehen.

Und da man die Hoffnung nicht aufgeben sollte und ich das Motto auf sehr naive Weise verinnerlicht habe, glaube ich ganz fest daran, dass wir Weihnachten nicht nur Hand in Hand in die Kirche gehen werden, sondern vorher auch alles gemeinsam meistern werden.

Tja und sollte es doch anders kommen, kann ich mich bei meinem Weihnachtskaffee und meiner Freundin herrlich darüber auslassen und mir meinen Ärger von der Seele lästern.

Ihr Lieben! Ich wünsche euch ein besinnliches, verrückt-schönes Weihnachtsfest! Und setzt eure Männer nicht unter Druck. Sprecht mit ihnen und erklärt ihnen, was genau ihr erwartet. Sie sind von der Suche nach einem passenden Geschenk für uns noch etwas angeschlagen und vielleicht auch ein bisschen überwältigt von dem, was alles für diese drei Tage des „ach so ruhigen Festes“ geplant ist. Essen hier, Kaffee und Kuchen da und in jedem Fall immer überdrehte Kinder, die viel zu viele Geschenke bekommen. In diesem Sinne. Frohe Weihnachten!

 

 

 

2 Gedanken zu “Alle Jahre wieder – Weihnachten und die Männer

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