Wenn aus Freunden Trauzeugen werden

Letzte Woche klingelte es mal wieder an der Tür, mein Freund – der Postbote. Von meinem Mann fühlte ich mich ertappt, der wahrscheinlich dachte, was hat sie denn jetzt schon wieder bestellt. Aber dieses Mal war ich unschuldig. Das Paket, was mir unser Postbote in den Flur schob, hatte ich nicht bestellt. Indianerehrenwort!

Mir sagte auch der Absender so gar nichts. Als ich es dann vorsichtig aufmachte, sprang mir ein Ballon entgegen. Ein silbern glänzendes Helium-Herz. Mir war schlagartig klar, wer mir diese liebe Überraschung geschickt hat. Beim Lesen der beiliegenden Karte, stiegen mir augenblicklich die Tränen in die Augen und ich war so aufgeregt!

Ich darf Trauzeugin sein! Meine liebste beste und tollste Freundin heiratet im nächsten Jahr und hat mich auf diese wunderschöne Weise gefragt, ob ich ihre Trauzeugin sein möchte. Ob ich möchte, was für eine Frage! Und ob ich möchte! Ich bin wahnsinnig stolz auf diesen Posten und das Vertrauen, was da in mich gesetzt wird!

Auch wenn die Fußstapfen sehr, sehr groß sind! Als meine Freundin nämlich meine Trauzeugin war, hat sie sehr hohe Maßstäbe gesetzt. Unsere Hochzeit mit allem Drum und Dran war perfekt, dank ihrer Hilfe und ihres Organisationstalentes.

Ich bin ja bekannter Weise eher der organisierte Chaot – ich hoffe inständig, dass ich sie damit nicht in den Wahnsinn treiben werde! Und da Bräute erfahrungsgemäß eh immer etwas anders ticken, als Frauen, die gerade nicht ihre eigene Hochzeit planen, ist es ohnehin ein Drahtseilakt, alles richtig zu machen. Und ich möchte an dieser Stelle noch einmal erwähnen, wie bravourös meine Freundin damals diesen Seiltanz bei mir gemeistert hat! Sie hat immer das richtige getan. Immer das richtige gesagt. Sie hat alles stillschweigend ertragen. Ich meine, wer backt zwei Tage vor der Trauung Cake-Pops für die Candybar und verzieht nicht einmal schmerzverzerrt das Gesicht?

Also, ich kann sagen, dass ich meinen Part und meine Aufgaben als Trauzeugin mit Demut annehme und ich gewissenhaft alles machen werde, um diesen Tag so schön wie nur möglich mit zu gestalten!

Die Vorfreude auf den großen Tag steigt schon jetzt, ein halbes Jahr vorher, ins Unermessliche. Das, was da alles auf meine Freundin zukommt, hat sie so was von verdient! Der Trubel, die Anproben, die Hektik, der Hochzeitstag selbst. Ich freue mich so sehr für sie und den Gatten ins Spe. Das wird alles großartig!

Und ich bin schon jetzt so euphorisch und voller Ideen, dass ich jede freie Minute meine alten Zeitschriften und Instagram nach neuen Inspirationen durchsuche.

Ich hatte bei uns damals schon so viel Freude daran, und das Ganze jetzt noch einmal aus der zweiten Reihe mitzuerleben, ist noch einmal eine ganz andere Erfahrung. Ich bin dabei, kann helfen, mich mit einbringen, muss am Ende aber nicht mit ungewohntem Reifrock den Gang zum Altar mit einem aufgeregten Vater am Arm antreten. Das hat auch was!

Allein, wenn ich an unsere Trauung zurückdenke, bekomme ich weiche Knie. Zum einen weil da vorne mein Mann stand und zum anderen, weil ich mich dabei gedanklich beobachte, wie ich grinsend allen Gästen ein Hallo zu geflüstert habe. Vor lauter Aufregung, habe ich mich nicht auf das Wesentliche konzentriert, sondern war wie immer höflich und habe alle begrüßt.

Und vier Jahre nach unserem großen Tag sieht sowieso alles anders aus. Heute ist mein Geschmack ein ganz anderer. Ich würde so vieles nicht mehr so machen. Von der Deko bis zum fehlenden Brautstrauß fürs Standesamt, wäre alles etwas weniger praktisch und minimalistisch. Wenn ich damals schon Instagram gehabt hätte, hätte ich sicherlich unsere Budgetplanung über Bord geworfen.

Außer beim Mann und meinem Kleid – das sind die konstanten Größen. Ich werde mich einfach in gut 20 Jahren noch einmal ins Zeug legen und eine tolle Silberhochzeit auf die Beine stellen. Wer weiß, was da gerade so in, modern, hip und angesagt ist…

Aber jetzt heißt es erst einmal, sich als Trauzeugin zu bewähren. Und meine liebe Freundin nicht mit übereifrigen chaotischen Vorschlägen und eigenen Erfahrungen zu verprellen.

Wenn jemand eine wunderschöne Hochzeit verdient hat, dann sie. Ich kenne keinen anderen Menschen, der sich so liebevoll und uneigennützig um das Wohl seiner Mitmenschen kümmert. Niemand, den ich kenne, verzichtet so viel und hat so viel Verständnis für andere und die Probleme der anderen. Keiner ist so geduldig und mit dem ganzen Herzen dabei, egal wie schwer die Umstände sind.

Für mich ist der Job als Trauzeugin auch eine Möglichkeit, einiges zurückzugeben. Mich für die vielen Jahre der Freundschaft zu bedanken. Mich für jedes abgesagte Treffen zu entschuldigen. Ihr die Anerkennung zu geben, die sie so sehr verdient hat. Ich kann mir niemand anderen vorstellen, der es mehr verdient hätte, als einen Tag lang ganz offensichtlich von allen bewundert zu werden. Einen Tag lang mal nur im Mittelpunkt stehen, die Hauptperson sein!

Jemand, der seine eigenen Bedürfnisse immer hintenanstellt, sich so außergewöhnlich um Familie und Freunde kümmert und dabei so viel Wärme, Stärke und Liebe investiert, gehört für mich gefeiert! Und da ist eine Hochzeit, auf der sie auch noch der Haupt-Act, nämlich die Braut ist, genau der richtige Anlass!

Los geht’s in zwei Wochen mit der Anprobe des Brautkleides. Wie aufregend! Termin und Location stehen schon und damit wären die allerwichtigsten Punkte schon abgehakt.

Alles andere findet sich von nun an wie von selbst! Und ich freue mich so sehr darüber, dass ich von Anfang an dabei sein darf!

Und mit von Anfang an meine ich, dass ich sogar schon eher Bescheid wusste, dass eine Hochzeit geplant werden muss, als die Braut selbst.

Als ich gefragt worden bin, ob ich zufällig die Ringgröße meiner Freundin wüsste, hätte ich Luftsprünge machen können. Habe mich aber gerade noch zusammenreißen können. Die Leute im Supermarkt hätten mich vermutlich für verrückt erklärt. Und mein Rücken hat es mir auch gedankt.

So habe ich mich darauf beschränkt meinem Minimann, der vor mir im Einkaufswagen saß, davon zu berichten und mich mit ihm gemeinsam für seine „Dodi“ gefreut.

Wieder ein wundervolles Erlebnis, was uns Freundinnen miteinander verbindet. Wieder ein gemeinsam gefeiertes Fest, von dem wir noch schwärmen können, wenn wir alt und grau sind. Wieder ein Tag, den wir gemeinsam erleben.

 

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