Über den Wolken – Auszeit mit Freundinnen

Noch schnell die Nägel lackiert und eine Stunde geschlafen (super Reihenfolge, nicht nachahmenswert), um 2:30 Uhr war Abfahrt. Ich war so aufgeregt, so voller Vorfreude und Euphorie.

Das erste Mal ein Mädels-Urlaub und dann auch noch in die Berge, die ich so sehr liebe!

Alles lief wie am Schnürchen – ich habe noch nie so effizient und durchdacht meinen Koffer gepackt. Und ich kann sagen, der Urlaub beginnt schon beim Koffer packen, wenn man nicht noch drei weitere Koffer mit packen und sich nicht andauernd fragen muss, ob man für die gesamte Familie auch wirklich alles eingepackt hat.

Apropos Familie. Ich habe ja gesagt, dass ich mich auf die paar Tage ohne meinen Mann und die Kinder freue. Dass ich all die schönen Dinge machen werde, die mit Kindern nicht so leicht zu vereinbaren sind. Ausgiebig in die Sauna gehen zum Beispiel und wirklich Wellness erleben.

Doch als ich die Kinder verabschiedet habe, fiel es mir wahnsinnig schwer. Und noch schwerer wurde es, als mein Mann in der Tür stehen geblieben ist und ich ins Auto gestiegen bin. Da hatte ich tatsächlich einen Kloß im Hals und war dann doch nicht mehr so vorlaut. Ich erinnerte mich an meine andere Freundin, die ohne ihre Kinder nicht mitfahren wollte. In diesem Moment konnte ich es durchaus nachfühlen. Aber allein das Gefühl des Abschiedsnehmen und Vermissen machte mich glücklich! Ein gutes Zeichen, dass man sich nach so langer Zeit, die man zusammen ist, immer noch vermisst und es schwerfällt, den Anderen allein Zuhause zu lassen und wegzufahren.

Als wir vier Mädels dann endlich auf die Autobahn fuhren, hatten wir schon den größten Spaß! Das Beweisfoto schickt uns die Polizei bestimmt in den kommenden Tagen noch zu.

Wir Hühner kennen uns alle, aber eben unterschiedlich gut. Meine beste Freundin und ich kennen und lieben uns jetzt inzwischen 22 Jahre, aber die anderen beiden Mädels hatten sich zuvor vielleicht fünf Mal gesehen. Das war mega spannend und hätte durchaus auch nach hinten losgehen können. Aber von Antipathien oder Unstimmigkeiten war überhaupt keine Spur. So viel gelacht wie in diesen drei Tagen hatte ich ewig nicht. Und ich fühlte mich von Anfang unglaublich wohl. Und ich war auf irgendeine Art und Weise stolz darauf, dass wir vier uns gefunden und nun unterwegs in den Urlaub waren.

Im Hotel angekommen – übrigens der schönste Ort der Welt – haben wir erst einmal auf uns angestoßen! Wann hat man das schon mal, dass alle Hühner auf einmal trinken können und keine mehr Auto fahren muss?

Leider hatten wir wirklich etwas Pech mit dem Wetter, die Berge ums Hotel herum konnte man nur erahnen, nicht sehen. Aber wir waren trotzdem den ganzen Tag draußen unterwegs, sind gewandert und haben tolle Gespräche geführt. Mal ganz ernst und sorgenvoll und dann wiederum ausgelassen, albern und nur am Gackern.

Am letzten Tag hatten wir uns für eine geführte Wanderung angemeldet. Es ging schon ganz früh los und es war noch nebliger, als die beiden Tage zuvor.

Wir waren nur eine sehr kleine Gruppe. Eigentlich nur wir vier und ein alleinreisender Herr, der unser aller Vater hätte sein können. Der arme Kerl hat sich bestimmt gedacht, dass wir ständig lachenden Frauen die Tour ganz schön aufmischen werden.

Aber wir waren so in unsere eigenen Gedanken vertieft und von der im Nebel versunkenen Landschaft so eingenommen, dass wir zeitweise mucksmäuschenstill hintereinander hergingen.

Je höher wir an diesem Tag stiegen, umso mehr lichtete sich der Nebel und als wir ganz zaghaft die ersten Bergspitzen sahen, waren wir alle fasziniert. Für mich war das Gefühl wie nach Hause kommen. Und ich freute mich so sehr darüber, dass die anderen sich auch freuten. Ich meine, es hätte ja auch gut passieren können, dass meine Freundinnen die Berge nicht ganz so toll finden wie ich und die Quälerei den Berg hoch verfluchen.

Irgendwann kurz vor unserem Ziel waren wir so hoch, dass wir einen blauen Himmel und puren Sonnenschein über uns hatten und unter uns im Tal hingen die Wolken. Was ein Anblick. Welche Ruhe davon ausging. Unglaublich. Und obwohl man sich körperlich so anstrengt, wird man selbst so ruhig. Man entspannt und ist ganz friedlich.

Der Höhepunkt war nicht nur das Gipfelkreuz, sondern das Trompeten-Solo unseres Bergführers.

Ich weiß, das klingt erst einmal super kitschig. Als ich den Mädels im Vorfeld berichtet hatte, dass so etwas passieren kann, konnten sie meine Begeisterung auch nur mäßig nachempfinden. Aber als Martin – unser Bergführer – Halleluja von Leonard Cohen spielte, liefen uns allen die Tränen. Nicht zu Letzt, weil dieses Lied bei meiner kirchlichen Trauung gesungen wurde…

Der Moment, wenn du oben am Gipfel stehst und weißt, dass du es gepackt hast, stolz und glücklich bist und dann in deiner Stimmung musikalisch so begleitet wirst, ist es so als hätte man seinen eigenen Soundtrack.

Am Abend saßen wir alle fix und fertig beim Essen. Wir konnten uns kaum noch bewegen vor Muskelkater. Wir schafften unser Essen kaum und waren alle reif fürs Bett.

Super, der letzte Abend an dem man die Hotelbar noch einmal stürmen konnte und wir kamen kaum die Treppe zur Bar herunter. Ich glaube, wir gaben ein lustiges Bild ab. Wir schafften gerade mal zwei Bier, haben uns die Bilder von unserer Wanderung angesehen und sind in unsere Betten gekrabbelt.

Der Gedanke am nächsten Tag schon wieder nach Hause zu müssen, machte mich total traurig. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich verlängert, das Krümelkind aus der Schule abgemeldet und meine Familie nachgeordert. Inzwischen fehlten sie mir doch wirklich sehr!

Meiner anderen Mama-Freundin schien es ähnlich zu gehen, denn unsere Gesprächsthemen kamen immer öfters auf die Kinder. Hoffentlich haben wir die anderen beiden Noch-Nicht-Muttis nicht zu sehr damit genervt.

Wir beschlossen bereits schon am erstem Abend, dass wir vier so einen Kurzurlaub ab jetzt jedes Jahr machen wollen. Und falls eine von uns nicht mitkommen kann, zählt als Entschuldigung nur eine bevorstehende Entbindung oder ein frisch geschlüpftes Baby!

Eine solche Auszeit kann ich jedem nur empfehlen. Ganz ehrlich! Ich habe meine Familie zwar vermisst, aber ich hatte kein schlechtes Gewissen. Ich habe es genossen, im Urlaub wirklich einmal auch tatsächlich im Urlaub zu sein. Nach der Sauna schlafen, in Ruhe essen, sich einmal nur auf sich selbst zu konzentrieren. Es waren zwar nur drei Tage, die wir weg waren. Aber ich konnte aus diesen Tagen so viel Kraft und Energie schöpfen. Natürlich hat die körperliche Ruhe nicht lang angehalten. Aber die mentale Power, die man tankt – die ist so viel wert! Der Alltag Zuhause ist umso vieles leichter, wenn man ihn gestärkt und erholt angeht. Und so hat ja der Rest der Familie auch etwas davon:

Die Kinder, weil die Mama entspannter ist und nicht sofort laut los schimpft (sondern nur leise) und der Mann, weil die Frau ausgeglichener ist und nicht alle (sie störenden) Kleinigkeiten auf ihrer Negativ-Liste notiert.

Ihr lieben Mädels, falls ihr diesen kleinen Bericht lesen solltet, fühlt euch umarmt! Ich fand es unglaublich schön mit euch und bin euch sehr dankbar für die paar Tage! Entschuldigt nur meinen Aussetzer, euch die ein oder andere Information vorenthalten zu haben. Im Nachhinein weiß ich auch nicht, wie mir das passieren konnte!

 

 

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