Klarer Fall: Aufsichtspflichtverletzung

Kaum zu glauben, wie schnell das geht. Noch dazu in den eigenen vier Wänden. Da räumt man – mal wieder – Berge von Wäsche in den Schrank und freut sich, dass der kleine Minimann so schön selbstständig spielt und sich so gut mit sich selbst beschäftigen kann. Und plötzlich ertönt ein Piepen durchs Haus. Richtig, der Rauchmelder. Ich dachte ja erst, es sein ein LKW auf der Straße, der rückwärts rangiert, aber ich hatte gleich so ein mulmiges Gefühl. Ich ging dann vorsichtig die Treppe herunter und roch schon im Flur, dass es definitiv unser Rauchmelder sein musste. An der Wohnzimmertüre angelangt, konnte ich bereits meine Hand nicht mehr vor Augen sehen. Geistesgegenwärtig zog ich mir etwas vor Mund und Nase und ging dem Rauch auf die Spur. Der Brotkorb, der bei uns dummerweise auf der hintersten Herdplatte steht, hatte Feuer gefangen. Minimann hatte beim Spielen an den Knöpfen gedreht und die Herdplatten angemacht.

Irgendwie habe ich die Situation in den Griff bekommen, alle Türen und Fenster aufgerissen und mich vor die Haustüre gestellt. Da stand ich mit dem kleinen Feuerteufel an der Hand. Ich am Zittern und einem Nervenzusammenbruch nahe, aber er hatte seinen Spaß und fand es obendrein noch lustig das Piepen des Rauchmelders nach zu machen. Natürlich war er sich keiner Schuld bewusst. Ich mir meiner schon!

Die Gedanken, wie das Ganze hätte anders ausgehen können, schossen mir durch den Kopf und ich war kurz vom Heulen. Okay, ich hätte zu guter Letzt vielleicht eine neue Küche bekommen. Aber auch der Galgenhumor wollte sich nicht richtig einstellen.

Wie leichtfertig man doch ist. Man will alles richtig machen und aufräumen und die Kinder zu Selbstständigkeit erziehen, aber dass man mit solchen Aktionen tatsächlich die Aufsichtspflicht verletzt, wird einem erst in solchen Momenten bewusst. Das noch mal als kleinen Denkanstoß für all die Jenigen, die meinen, wir Muddis hätten ja so viel Zeit.

Ich bin eigentlich ein großer Bekenner zu „das müssen sie halt einfach lernen“! Ich habe bei beiden Kindern weder die Blumentöpfe hoch oder gar weggestellt, ich habe nirgends spezielle Sicherungen angebracht – außer natürlich die obligatorischen Dinger für die Steckdose – und auch keine Türgriffe umgeschraubt. Ich bin eigentlich fest der Meinung gewesen, dass Kinder mit einem bestimmten und vielleicht auch oft wiederholten Nein lernen müssen, die Finger von Sachen zu lassen, die sie nichts angehen. Doch seit gestern ziehe ich es tatsächlich in Erwägung meine Einstellung zu ändern. Ich war bereits beim Schweden auf der Website und habe ein „Herd-Drehknauf-Schutz-Teil gesucht. By the way – kann mir da jemand etwas empfehlen?

Und das Alles ist wiederum ein Beweis dafür, wie unterschiedlich unser Nachwuchs sein kann. Bei unserer Krümelmaus hat das Prinzip vom Hören, Nein sagen und Lernen durch Schmerz wunderbar Fuß gefasst. Bei unserem Sohn allerdings ist das völlig wirkungslos. Ich habe noch nie einen ignoranteren Kerl kennen gelernt. Wenn er eins in Perfektion beherrscht, dann seine Eltern schlichtweg zu ignorieren und einfach das zu machen, wonach ihm der Sinn steht. Freigeist würden jetzt manche Menschen denken, ich denke nur, dass es mich fix und fertig macht. Wie kann ich dem entgegenwirken? Was kann ich noch tun, dass er diesen Charakterzug endlich ablegt? Ich hoffe, ich finde es im nächsten halben Jahr heraus. So kann er ja schlecht in den Kindergarten – man müsste dort sofort den Personalschlüssel ändern.

Aber das aller, aller schlimmste daran ist, dass er all diesen Blödsinn mit seiner charmanten Art macht. Ich will loslegen, schimpfen und meckern und Konsequenzen androhen und er lächelt mich nur an und hat mich sofort entwaffnet. Klar, bin ich noch sauer und böse darüber, was er gerade angestellt hat. Aber ich bin absolut handlungsunfähig. Ich muss selber grinsen und demontiere meine Autoritätsfunktion von ganz allein. Ich könnte mich in den Hintern beißen, wenn wir mal wieder in einer solchen Situation sind.

Heißt also, da muss ich auch noch ein gutes Stück an mir selbst arbeiten.

Ob es genau da ist, was alle meinten? Mit einem Sohn wird es noch einmal ganz anders. Ich kann das nur bestätigen. Aber liegt es daran, dass unser zweitgeborenes Kind ein Junge ist oder einfach nur daran, dass wir Menschen eben alle verschieden sind? Wenn ich da an meinen kleinengroßen Bruder denke, bin ich tatsächlich versucht zu glauben, es liegt am Geschlecht. Meine Eltern waren seinetwegen auch viel öfters in Notaufnahmen, zum Elterngespräch in der Schule oder beim Optiker, um neue Brille zu kaufen, als mit mir.

So, ich werde mich jetzt daranmachen, die Küchenschränke alle gründlich ab- und auszuwaschen. Minimann wird im Kinderstühlchen daneben gestellt, angeschnallt und bekommt was zum Malen. Oder zum Essen. Hauptsache er ist friedlich, baut keinen Mist und lässt mich arbeiten.

Und sollte die berechtigte Frage aufkommen, warum er heute nicht bei der Tagesmutter ist: Ja, um noch einen oben drauf zu setzen – er dachte gestern Abend, es wäre eine hervorragende Idee, sich auf einen Luftballon zu stellen. Das Resultat dürfte klar sein – er hat eine übertrieben große Beule auf der Stirn und eine dicke Lippe und wäre fast noch im Krankenhaus gelandet. Von daher wollte ich ihn heute Vormittag dann doch lieber Zuhause lassen.

Aber ich sehne der Mittagszeit entgegen, wenn die Oma Feierabend macht und ihn abholt. Er darf sogar über Nacht bleiben. Hauptgewinn! In diesem Sinn, ein Hoch auf alle Omas und Uromas, die uns immer wieder unterstützen! Mit Rat, Tat oder Kaffee und einer Schulter zum Anlehnen!

Ein Gedanke zu “Klarer Fall: Aufsichtspflichtverletzung

  1. Manuela Albert sagt:

    Huhu. Oh ja irgendwie kommt mir das alles bekannt vor. Also unsere Knöpfe am Herd haben wir komplett abgezogen und einer liegt jetzt in UNSERER Reichweite zum an und aus schalten. Weiterhin starke Nerven 😉
    Ganz liebe Grüße Manu

    Gefällt 1 Person

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