Glücklich, stolz und kugelrund neben der Spur

Über die ersten Anzeichen meines Babybauches war ich so glücklich. Ich war so unfassbar stolz auf die kleine Murmel und das Wesen in ihr.

Ich freute mich über jedes Kilo mehr auf der Waage. Was erstaunlich war, denn – wie bereits erwähnt – das Verhältnis zwischen unserer Waage und meines Körpergewichtes war und ist nicht das Beste. Aber ich fühlte mich wohl und war voller Euphorie alles anzunehmen, was die Schwangerschaft so mit sich bringen würde.

Bis ich irgendwann morgens im Bad stand und mein Gesicht im Spiegel sah. Es war dick. Einfach nur dick. Dahin war sie, meine Wohlfühlstimmung. Die Selbstzweifel waren mit voller Wucht zurück und trafen mit eben dieser auf die typischen Schwangerschaftshormone.

Plötzlich fiel mir mein eingebildeter dicker Hintern wieder ein und die kurzen Stampfer. Die im Übrigen schuld daran waren, dass ich mir keine Umstandsjeans kaufen konnte, weil sie einfach zu kurz sind.

Das kam noch erschwerend hinzu – ich fand keine schöne Umstandsmode. Ich sah einfach nur noch schwanger aus. Dickes Gesicht und weite Klamotten von meinem Mann. Überhaupt kein Vergleich, mit all den schwangeren Mamis, die sich heute selbstbewusst und –  in meinen Augen – wunderschön im Netz präsentieren.

Ich hatte von vielen gehört, dass man sich einfach unfassbar gut und stark in einer Schwangerschaft fühlt. Ich freute mich wahnsinnig auf unser Baby. Ich freute mich auch nach wie vor über meinen Babybauch. Aber ich fühlte mich nicht stark und gut.

Mein Selbstbewusstsein war fast nicht mehr vorhanden. Ich hinterfragte plötzlich meine Beziehung und unterstellte meinem Mann, er würde sich nach einer nicht-schwangeren Frau sehnen. Mein Seelenfrieden war mir um die Ohren geflogen, ohne dass ich irgendetwas dagegen tun konnte. Ich bildete mir ein, mein Mann würde sich nicht auf unser Baby freuen. Ich fühlte mich so allein, obwohl ich es ja gar nicht war. Ich hatte die romantische Vorstellung, mein Mann würde pausenlos den Kugelbauch streicheln und war maßlos traurig darüber, dass dies offenbar nur ein Klischee war.

Ich sah uns schon harmonisch durch die Babygeschäfte ziehen, Babyschalen und Kinderwagen testen. Am Ende habe ich mit meiner liebsten Freundin die Fachverkäuferinnen wahnsinnig gemacht und habe das meinem Mann abends vorgeworfen.

Ich habe heute noch dran zu knabbern, dass er mich bei einem der drei Vorbereitungskurse nicht begleitet hat. Ich saß auf der Fahrt zur Hebamme im Auto, habe geheult und habe den Kurs dann selbst geschwänzt.

Beim nächsten Termin habe ich mit meiner Hebamme über meine Sorgen und Gedanken gesprochen. Und als sie mich ansah und ehrlich von mir wissen wollte, ob ich tatsächlich mit meinem Mann über den Kinderwagen diskutieren wollte, fühlte ich mich mit meinen Vorwürfen gar nicht mehr so sehr im Recht.

Erst durch meine Hebamme versuchte ich mich in die Lage meines Mannes zu versetzen und legte die rosarote Brille ab. Und ernsthaft, ein Geburtsvorbereitungskurs, bei dem die Hebamme die Wehen nachahmt – nein! Im Übrigen hätte ich selbst den Kurs ganz ausfallen lassen sollen. Es gab Sachen, die hätte ich eigentlich gar nicht wissen, sondern einfach nur auf mich zukommen lassen wollen.

Die Entscheidung für ein Kind haben wir ganz bewusst getroffen. Wir haben es geplant, und schwupps war unsere Krümelmaus auch schon auf dem Weg. Es war unser Wunsch früh Eltern zu werden und ich habe das nie bereut. Ganz im Gegenteil! Ich glaube, weil wir so jung waren, haben wir vieles intuitiver gemacht, waren sorgenfreier und bestimmt gedankenloser. Ob das objektiv betrachtet alles gut war und ist, keine Ahnung. Manch einer wird uns sicherlich belächeln oder den Kopf schütteln.

Ich wusste, ich würde eine gute Mama sein, aber ich habe nicht geahnt, dass ich keine gute Schwangere sein könnte. Vielleicht hat mir doch noch die dafür nötige Reife gefehlt? Also Reife im Sinn von Selbstakzeptanz und gesundem Selbstbewusstsein. Ich glaube, ja.

Heute, sieben Jahre nach meiner ersten Schwangerschaft, bin ich immer noch kein selbstbewusster Mensch. Auch als unser Sohn unterwegs war, fand ich mich nicht hübsch, sondern noch kleiner als sonst und viel zu kompakt. Aber ich konnte damit umgehen. Ich war nicht mehr so traurig darüber, dass sich mein Äußeres verändert hatte. Die Situation war, obgleich der selben Vorzeichen, eine andere. Ich war gefestigter, mein Mann und ich ein inzwischen perfekt eingespieltes Team und die Umstandsmode eines schwedischen, uns allen bekannten, Modeunternehmens hatte sich auch auf kleine schwangere Frauen eingestellt und ich sah zumindest ordentlich gekleidet aus.

Wir gingen zwar wieder nicht gemeinsam in die Babygeschäfte, aber er streichelte immerhin öfters meine Murmel. Ja, auch er war sieben Jahre älter geworden.

Wir sprachen zum Beispiel über unsere Gedanken und Sorgen. So kam es, dass er mich von einem weiteren Klischee befreite – schwangere Frauen sind nicht (noch)attraktiver. Jedenfalls nicht für die eigenen Männer. Bähm, die Aussage traf mich zwar im ersten Moment hart, aber realistisch gesehen, hatte er durchaus recht! Inwiefern sich das jetzt verallgemeinern lässt, weiß ich nicht. Aber auf mich bezogen – wie sollte ich Attraktivität ausstrahlen, wenn ich sie selbst nicht wahrnahm? Da kann dann auch nichts rüberkommen.

Davon aber mal abgesehen, wurde er es auch nicht leid, mir immer wieder zu sagen, dass ich mir das alles nur einbilde und ich einen riesengroßen Knall habe.

Vielleicht ist das der Grund, warum so viele werdende Mamas ein professionelles Fotoshooting buchen? Auf diesen Bildern sieht frau einfach umwerfend toll aus! Vielleicht hätte ich so etwas machen sollen, um mich dadurch etwas besser zu fühlen? Auch, wenn es nur das Bildbearbeitungsprogramm ist – egal! Wenn es hilft. Ich ärgere mich immer noch, dass ich so etwas in beiden Schwangerschaften abgelehnt habe. Rückblickend wäre es sicherlich das Geld wert gewesen. Aber ich Sparfuchs wollte nicht halbnackt vor einem wildfremden Fotografen posieren. Zumal ich mir auch nicht vorstellen konnte, die Bilder irgendwo aufzuhängen oder hinzustellen. Aber im Nachhinein geht es bei den Bildern vermutlich gar nicht so sehr um die Nachhaltigkeit, sondern um den Moment selbst. Man wird in Szene gesetzt, vielleicht sogar geschminkt, es dreht sich nur um die Frau und deren Körper. Auf den Bildern hätten wir mein dickes Gesicht sicherlich retuschieren können. Also, ich würde jeder Frau dazu raten und könnte ich die Zeit zurück drehen, würde ich sofort beim nächsten Fotografen einen Termin vereinbaren.

In meinem Fall war die Kombination aus Hormonen, mangelndem Selbstwertgefühl und Herzkino-Filmen vom ZDF eine Herausforderung für uns. Viel zu hohe Erwartungen an meinen Mann und mich selbst, die keiner von uns beiden erfüllen konnte. Die daraus resultierenden Enttäuschungen waren vorprogrammiert.

Meiner Meinung nach, ist schwanger sein etwas für selbstbewusste Frauen. Ich gehöre leider nicht dem Club an.

Ich kann mir vorstellen, es geht vielen Frauen ähnlich wie mir. Haltet euch einfach immer wieder vor Augen, der Zustand ist vergänglich. Nach zehn Monaten ist der Spuk vorbei und mein Lieblingsspruch ist ja: „Wenn es dich dann einmal anlächelt…“

Aber was ich eigentlich sagen will, Schwangerschaft wird so hochgejubelt und jeder freut sich über die frohe Botschaft, wenn ein Baby unterwegs ist. Und der allgemeine Tenor geht in die Richtung, dass man unfassbar glücklich, zufrieden und dankbar sein sollte. Aber das stimmt leider nicht immer. Und das ist völlig in Ordnung! Man darf in einem solchen Hormonchaos nicht auch noch die Gefühle unterdrücken. Man darf als Schwangere ruhig mal gefrustet oder deprimiert oder auch genervt sein.

Aber all das heißt im Umkehrschluss nicht, dass man nicht trotzdem glücklich, zufrieden und dankbar über den kleinen Bauchzwerg ist. Denn um den geht es schließlich gar nicht, wenn das eigene Ego einem ein Schippchen schlägt.

Dicker Babybauch toll – dicke Füße uncool! Vollkommen legitim!

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