Entweder man kann es oder eben nicht

Ich liebe kochen. Ich glaube, das klappt auch ganz gut, so lange ich mich von veganen Diät-Rezepten fernhalte.

Aber backen mag ich überhaupt nicht. Dieses große Durcheinander in der Küche. Oder diese putzigen Rezepte, bei denen man erst das Mehl durchsieben soll. Den Schritt spare ich mir immer, weil kostet mich einfach zu viel Zeit. Nein, backen mag ich wirklich nicht gerne! Was aber vermutlich daran liegt, dass es mir auch nur sehr selten gelingt. Selbst Muffins werden in der Regel fluffige Plätzchen.

Doch ich gebe ja selten auf. Also melde ich mich immer wieder freiwillig im Kindergarten – oder jetzt in der Schule – wenn es darum geht, die Eltern müssen etwas für die ein oder andere Veranstaltung mitbringen. Mein Mann lacht mich schon immer aus, wenn ich in der Küche stehe und versuche zu backen. Aber ich bin ehrgeizig, man will sich ja schließlich beteiligen und einbringen. Oder einfach nur von den anderen Muddis in der Gruppe akzeptiert werden.

So kommt es also öfters vor, dass ich durch den Ansporn meiner Tochter in der Küche stehe, die Zutaten in meine heißgeliebte, wunderschöne rosa Küchenmaschine schütte und schon einmal erleichtert feststelle, dass der Teig schmeckt. Aber ich muss dazu sagen, der Geschmack ist auch nicht das Problem. Eher so die Optik.

Aber der enttäuschte Blick des Kindes, wenn der Kuchen nach dem Backen nicht aufgegangen ist oder dieser vermaledeite Zuckerguss einfach nicht halten will und sie keine Schokolinsen mehr drüberstreuen kann, ist schon hart.

Zuckerguss ist übrigens ein ganz wunder Punkt. Ich bekomme ihn selbst mit einer fertigen Backmischung grundsätzlich nicht hin. Da kann ich noch so viel mit dem Puderzucker und dem Zitronensaft experimentieren – Zuckerguss ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.

Oder Baiser. Bis ich begriffen hatte, dass man den Ofen einfach während des Backvorgangs nicht öffnen darf, hat leider viel zu lang gedauert und für mehrere Schockerlebnisse gesorgt. Ich erinnere mich da an eine verunglückte Torte, die ich extra gebacken hatte, da ich meine künftigen Schwiegereltern (das erste Mal) zu Besuch erwartete. An einem Sonntag natürlich. Ich hatte leider nicht die Möglichkeit in einem Café für Ersatz zu sorgen. Oder gar auf die Meister aus der Tiefkühltruhe zurück zu greifen. Da musste ich durch und versuchen mit anderen Eigenschaften einen guten Eindruck zu machen.

Da schreiben die fleißigen Bäckerinnen in ihre Rezepte, dass man das Mehl durchsieben soll, aber den Hinweis, die Ofenklappe geschlossen zu halten, verkneifen sie sich. Lieber einen in sich zusammengefallenen Kuchen, als klumpiges Mehl im Teig. Vollkommen logisch.

Vor einigen Wochen habe ich meinen 30. Geburtstag gefeiert. Und wer mich kennt, weiß, auf meinen Partys gibt es eine Candybar. Spare ich mir das mit dem Dessert. Ich hatte mir überlegt, Muffins zu backen, isst ja jeder gern. Was soll ich sagen, auch die sind nichts geworden. Am Ende hatte ich fast 100 kleine Plätzchen. Lecker, aber leider keine Muffins.

Das war der Abend, an dem ich beschloss nicht mehr zu backen. Maximal einen Rührkuchen mit viel Eierlikör. Oder Waffeln – aber ohne Sahne. Da kann man nämlich auch so viel falsch machen.

Nein, es war der Punkt gekommen, an dem ich mir eingestand, dass ich schlichtweg einfach nicht backen kann. Es gibt tolle Bäcker und Konditoren, bei denen man kaufen und sogar vorbestellen kann oder eben diese herrlich schönen tiefgekühlten Torten. Wenn man rechtzeitig daran denkt, sie aufzutauen, ist das eine wunderbare Alternative zu meinen Backkünsten.

So, nun aber hatte mein Mann vorgestern Geburtstag und ich wusste einfach nicht, was ich ihm schenken sollte. Der hat ja alles und was er nicht hat, kauft er sich meistens selbst. Aber das ist eine andere Baustelle.

Ich habe also meine guten Vorsätze über Bord geworfen, Backzutaten gekauft und mich nachts um halb 12 in die Küche gestellt. Es sollte eine zweistöckige Torte mit Baiser geben – sein Lieblingskuchen. Nachdem ich den Einschnee zwei mal machen musste, weil ich Schussel das Sahnesteif-Pulver in den Einschnee gekippt habe, konnte der Kuchen endlich in den Ofen. Ich hielt mich an die vorgegebene Backzeit und ließ den Kuchen etwas auskühlen. Meine Erwartungshaltung ging gegen null, als ich die Klappe des Backofens öffnete. Ich rechnete mit allem. Nur nicht damit, dass der Kuchen (fast) wie auf dem Bild aussah. Ich hatte es tatsächlich bis dahin geschafft. Gut, ich musste den Kuchen noch in zwei Böden schneiden, die Füllung unterheben und den Boden mit dem Baiser wieder oben aufsetzen und lauter solche ausgeklügelten Sachen. Aber beflügelt vom ersten Anblick auf meine Torte, erledigte ich noch den Feinschliff und war mit dem Endergebnis zu frieden. Und mein Mann hat sich sehr gefreut.

Jetzt weiß ich nicht richtig, was ich machen soll. Ich bin hin und hergerissen, zwischen zwei Devisen. Sich seine Schwächen eingestehen und das Backen weiterhin den Profis überlassen oder so lange weitermachen, bis es irgendwann klappt und ich erneut so ein Prachtexemplar zu Stande kriege. Oder war es doch nur unfassbares Glück, dass der Geburtstagskuchen auch tatsächlich einer wurde?

Ich glaube, man muss beides können und von der Situation abhängig machen. Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Aber auch den Mut aufbringen und sich einzugestehen, dass man etwas nicht kann.

Das ist auch etwas, was ich versuche meinen Kindern beizubringen. Dinge immer wieder zu versuchen, nicht beim ersten Mal aufgeben und geduldig sein. Ich warte manchmal gefühlt eine Ewigkeit im Auto darauf, dass sich meine Tochter anschnallt. Sie schimpft und motzt und will aufgeben. Ich weiß aber, dass sie es kann, also gebe ich ihr die Zeit und warte geduldig weiter. Ist ja alles auch ein Schritt in die Selbstständigkeit.

Manchmal muss man aber eingreifen und sagen, dass kannst du (noch) nicht. Das ist zwar dann erst mal hart, aber ich habe auf dem Spielplatz lieber ein beleidigtes Kind, als ein Kind mit gebrochenem Arm das vom Klettergerüst gefallen ist.

Also, alles getreu dem Motto: Aufgeben „tut“ man nur Briefe – außer man kann es wirklich nicht. Dann sollte man es einsehen und die Finger davonlassen.

Ich für meinen Teil werde es bei diesem einen geglückten Kuchen lassen. Ich nehme das positive Gefühl mit und frage beim nächsten Event im Kindergarten, ob ich nicht auch einen Salat mitbringen kann. Rohkost-Sticks gehen auch immer.

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