Rabenmutter in Teilzeit trifft Halbtags-Glucke

Ich liebe meine Kinder, meinen Mann und Instant-Cappucciono. Meine Kinder und meinen Mann wohl dosiert, den Cappuccino eher literweise – den lieben langen Tag. Das klingt jetzt fieser, als es tatsächlich ist. Aber das Thema Familie vs. in Ruhe einen Kaffee trinken, kam neulich im Gespräch mit Freundinnen auf.

Die Hühner und ich planen ein wundervolles Wanderwochenende in den Tiroler Bergen. Alles schick mit Wellness und allem drum und dran. Nur eben ohne die Männer und ohne die Kinder.

Wird man jetzt abgestempelt als schlechte Ehefrau und Rabenmutter, die Haus und Hof im Stich lässt? Drückt man sich vielleicht selbst einen solchen Stempel auf, weil sich das schlechte Gewissen meldet? Oder sollte frau entspannt ins Auto steigen und auf die Autobahn gen Süden fahren?

Eigentlich waren wir fünf Freundinnen, die gern wandern wollten. Aber eine zog sich zurück, weil sie ohne die Kinder nicht wegfahren wollte – jedenfalls nicht für drei Nächte.

Meine erste Reaktion darauf, was stimmt denn mit dir nicht?! Der zweite Gedanke kam und ich fragte mich, was mit mir nicht stimmt. Oder gar meinen Kindern. Sie konnte ohne ihre zwei Rabauken nicht sein, ich dagegen freute mich auf die drei Tage nur mit den Mädels, wie früher – vor langer Zeit – auf Weihnachten.

Ich bewundere meine Freundin dafür, dass sie ohne ihre Kinder nicht wegfahren wollte. Klar, war meine erste Reaktion alles andere als respektvoll, aber je länger ich darüber nachgedacht habe, umso beeindruckter bin ich. Beeindruckt von der Ausdauer, der Motivation und der Power, die dahintersteckt. Ich meine, jede Mama wird mir recht geben: Das Leben mit Kindern ist nicht immer nur zuckersüß, ganz im Gegenteil. Es ist hart, anstrengend, nervenaufreibend und oftmals unfassbar undankbar.

Und meine Freundin nimmt es sportlich, stellt sich jeden Tag der Herausforderung und ist ein Fels in der Brandung. Neben ihrem Fulltime-Job. Was für eine Mama, tolle Frau!

Nach dieser Erkenntnis habe ich mich natürlich gefragt, warum ich diesen Kurzurlaub ohne Familie möchte. Warum ich es ohne meine Kinder aushalte. Warum ich mich sogar darauf freue, drei Tage einmal nur für mich zu sorgen, nur für mich verantwortlich zu sein. Bin ich nicht motiviert, bin ich nicht stark genug, fehlt mir die Power für 24/7 Mama und Hausfrau sein?

Und die Antwort lautet vermutlich, ja. Wahrscheinlich ist es tatsächlich so. Und dazu muss ich, Respektive eine Mama, stehen und sagen ja, ich brauche eine Auszeit vom Mama sein. Ich brauche Zeit für mich, um hinterher wieder voll da zu sein. Um nicht bei jeder Kleinigkeit an die Decke zu gehen, sondern auch einfach mal zu lachen, wenn der Minimann das Haus mit Babypuder einstäubt.

Es ist wunderbar mutig zu seinen Gefühlen zu stehen und zu sagen, ohne meine Kinder – ohne mich. Aber genauso mutig ist es zu sagen, ich liebe die Kinder über alles, aber ich brauche auch mal Zeit für mich.

Das wichtigste bei diesen verschiedenen Ausgangssituationen ist Respekt. Und gerade unter Freundinnen sollte man sich diesen erweisen. Man darf nicht die eine verurteilen, die augenscheinlich eine Glucke ist – aber auch nicht die andere, die ihre Kinder drei Tage bei Oma und Opa parken will.

So und nach diesem Entschluss (oder Beschluss?), dass weder das eine, noch das andere falsch ist, kann ich beruhigt meinen kleinen Koffer packen und die Tage bis zur Abreise zählen.

 

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